Erste Wahl

Ina Müller erzählte vor vier Wochen in ihrer NDR – Sendung Inas Nacht, daß sie ihren Führerschein verloren habe, weil sie die neue Platte von Johannes Oerding hörte. Die sei einfach so mitreißend, daß sie die Geschwindigkeitsbegrenzung komplett übersehen habe. Und sie sei es auch wert, dann jetzt eine Zeit ohne Auto auskommen zu müssen. Nun habe ich die CD gestern gekauft und kann Ina schon ein wenig verstehen; wobei ich ehrlicherweise meinen Lappen dafür nicht riskieren wollte.

Während Donny Hathaway richtigen amerikanischen Soul macht, singt Johannes deutschsprachigen Popsoul. Das macht er sehr gut, die Stimme ist wirklich toll, allerdings finde ich den ein oder anderen Song leicht überproduziert. So gefällt mir beispielsweise die 2007er – Demoversion von „Für die Welt“ einfach besser, als die CD – Version mit dicken Streichern — aber das ist ja auch Geschmacksache. Johannes ist nach Roger Cicero nun der zweite Sänger, der aus der Soulounge – Formation heraus eine gute Solokarriere startet und er hätte es verdient, den selben Erfolg zu haben. Die CD jedenfalls kann ich mit gutem Gewissen empfehlen; auch wenn ich weiter autofahren möchte.

Everything is everything

Vor ein paar Tagen erfüllte mir ein Leser der ungenannt bleiben möchte einen weiteren Wunsch von meinem Wunschzettel. Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut und ich will mich hier ganz herzlich bedanken. Im Briefkasten lag also diese CD von Donny Hathaway. Der Sänger, Pianist und Produzent ist heute in der Allgemeinheit gar nicht mehr so bekannt, was ziemlich schade ist, war er doch ein genialer Mann seiner Zeit, der nicht nur durch wirklich tollen Gesang, sondern auch durch legendäre Wurlitzer – Soli auffiel. Schon vor etwa 20 Jahren empfahl mir mein damaliger Plattendealer (ich war Stammgast in dem inhabergeführten Laden und so konnte ich dort perfekt beraten werden; so etwas gibt es heute leider so faktisch nicht mehr) die Live – LP, die es heute auch als CD gibt. Ich glaube, diese Platte habe ich im Laufe der Jahre so oft gehört, daß ich fast wirklich vor Ort gewesen bin.

Die neue CD nun ist Donnys allererste Veröffentlichung als Solokünstler (er hatte zuvor schon Platten produziert). „The Ghetto“, das Stück, was sein Markenzeichen werden sollte, ist schon drauf. Auf diesem Werk hat die Stimme noch nicht ganz die Strahlkraft der späteren Werke oder gar der beiden Live – Aufnahmen, aber es ist gut zu erkennen, wohin die musikalische Reise gehen wird und darum gefällt mir die CD auch sehr gut. Wie immer ist die Platte ein Mix aus eigenen Songs und genial interpretierten Coverversionen; generell kann man sagen, daß die Coversongs dieses Sängers meist besser sind als die Originale, zumindest aber ebenbürtig. Nie hält er sich an die Originalinterpretation, sondern fühlt die Songs neu und schafft damit ganz eigene Werke.

Wer von Euch Donny Hathaway noch nicht kennt, aber schwarze 70er – Musik mag, dem sei der Künstler auf’s Wärmste empfohlen. Als Einstiegsdroge eignen sich beide Live – CDs sehr gut und danach will man sowieso mehr.

unendlich

Im gleichen Zuge legte ich mir auch die neue CD Und endlich unendlich von Selig zu. Nun. Die Herren waren nie Freunde der Gutelaunemusik, aber was hier aus den Boxen kommt, ist mir, zumindest beim derzeitigen Sonnenwetter, einfach deutlich zu nöhlig. Während Niels Frevert Melancholie immer hervorragend verpackt, schaffen es die interessanterweise erfolgreicheren Kollegen von Selig nur zur Knatschigkeit, nicht zur Eleganz. Vielleicht sollte ich mir die Platte noch mal im Herbst anhören, zur Zeit lege ich sie trotz alter Verbundenheit erst mal wieder weg.

Stadtaffe

Schon aus dem letzten Jahr ist Peter Fox` Werk Stadtaffe, aber durch diese ganze Tourerei bin ich gerade etwas außer vor, darum kaufte ich sie mir sie erst jetzt. Auch bei seiner Band Seeed ist Peters Gesang prägend und die Richtung Party. Auf der Soloplatte gibt es weniger Reggae, eher etwas HipHop, dafür aber unglaublich spielerische Texte, jede Menge sehr ironische Zitate aus anderen Songs incl. „Haare schön“ und einfach tolle, mitreißende Gutelaunemusik. Wenn ich jetzt schreibe, daß die Scheibe in keiner Plattensammlung fehlen darf, dann lachen wahrscheinlich Viele, weil sie sie schon seit einem halben Jahr haben. Allen anderen sei sie sehr nahe ans Herz gelegt. Es kommt ja jetzt die Zeit des Frühjahrsputzes und ich kann aus gestriger Erfahrung sagen, daß man deutlich beschwingter sauber macht, wenn der Stadtaffe die eigene Wohnung und durch die geöffnteten Fenster auch die Nachbarschaft beschallert.

Wir zünden die Nacht an

„Der Sänger der Sänger und Musiker der Musiker“ sagt Fritz Rau über ihn und wenn man sich anschaut, mit wem er schon alles gearbeitet, wen er schon alles produziert hat in den letzten … 35 (?) Jahren, dann mag man Fritz wohl Recht geben. Neben dem war Edo Zanki (Wikipedia, MySpace) aber auch immer selbst als Musiker und Sänger aktiv. Seit kurzem hat er nun seine zwölfte CD fertig: …alles was zählt.

Das Schöne ist, daß Edo Zanki nichts mehr beweisen muß, daß er unabhängig ist von den Spielchen in unserer Branche und das merkt man seiner CD sehr positiv an. Nicht nur, daß er in „Sag kein Wort“ sehr gekonnt über die alleswissenden Manager im Musikbusiness lästert; man hört auch, daß Edo sich noch mehr zurücklehnt beim singen, noch mehr seine Seele zeigt. Daß die Stimme dabei älter, etwas brüchiger, geworden ist, tut dem Ergebnis keinen Abbruch.

Edo war einer der ersten, die sich vor vielen Jahren am deutschsprachigem Soul versuchten, die ihn geprägt haben, die dann nicht stehengeblieben sind. Dabei hat er sich seinen eigenen, unverkennbaren Stil erhalten. Bisher hatte ich acht CDs von ihm, dies ist nun meine neunte (mehr Platten habe ich nur von Johnny Cash) und ich bin mir sicher, daß ich sie auch langfristig so gern hören werde, wie die bisherigen Scheiben. Besonders gefällt mir mit „Nimm mich mit auf die Reise“ ein treibender, orientalisch angehauchter Song. Aber auch die schon ein wenig typischen Stücke „Wenn ich fall'“ und „Heimkommen“ treffen neben „Wir zünden die Nacht an“ sehr meinen Geschmack.

Von mir eine ganz klare Kaufempfehlung für alle, die soulige, deutsche Popmusik mögen.

Du kannst mich an der Ecke rauslassen

Niels Frevert: Du kannst mich an der Ecke rauslassen; Copyright: Tobias Stachelhaus, Tapete Records

Nach fünf Jahren mal wieder ein silberglänzendes Lebenszeichen von Niels Frevert. Eher zufällig bei Dirk entdeckt. Und dann festgestellt, daß ich das Konzert einfach verpennt habe. Schade.

Witzig auch, daß ich innerhalb von wenigen Tagen eine zweite CD in den Händen halte, bei der Hagen Kuhr Cello spielt. Ich freu‘ mich für ihn; er ist’n Guter.

Die CD … ist ungewohnt ruhig. Während bei der Nationalgalerie (Wikipedia) und auch bei seinen ersten beiden Soloscheiben es musikalisch doch sehr nach vorn ging, die Melancholie der Texte noch durch Gitarrenriffs verstärkt wurde, gibt es jetzt eine fast versöhnlich klingende CD, die von der Länge her auch eine LP hätte werden können. Neun Songs, etwas mehr, als eine halbe Stunde, angefüllt mit Niels‘ Stimme und seiner Tele, akustischen Gitarren, Streichern, einer dezenten Hammond. Die Texte immer noch dicht; wohlgefeilte Worte, die deutlich mehr sind als nur Lautmalerei zur Musik, viel mehr als „Uh Baby, Baby.“

Die CD gefällt mir sehr gut; sie paßt mal wieder wunderschön zu meiner Stimmung und ist es wert, oftmals hintereinander gehört zu werden.

Jag överlämnar mig till dig

Fjarill: Pilgrim; Copyright: Fjarill, Michy Reincke
Wie schon berichtet erschien letzte Woche Fjarills neue CD Pilgrim und auch wenn ich beim Release – Konzert (Bericht in der WELT) nicht mit dabei sein konnte, so habe ich mir das Album natürlich doch gekauft. Wie schon das Erstlingswerk besticht die Musik des schwedisch / südafrikanischen Duos, das teilweise durch bekannte Hamburger Größen wie Christoph Buhse, Thomas Biller oder Hagen Kuhr unterstützt wird, durch dichte, zerbrechlich und intim wirkende, teilweise sphärische Musik, dessen Mittelpunkt immer der wunderschöne Gesang Aino Löwenmarks ist.

Das schöne am Stil Fjarills ist, daß er sich nicht mit dem eines anderen Künstlers vergleichen läßt. Die beiden haben ein eigenes Genre geschaffen, ihre ganz eigene musikalische Marktlücke und die füllen sie perfekt aus. Eine Kaufempfehlung für alle, die Weite hören können und ein Ohr für ruhige Musik voller Kleinigkeiten haben.

Neue CD

Fjarill; Copyright: Stefan Malzkorn, Fjarill

Zugegeben, es ist noch etwas hin, aber am 02.04.2008 wird Fjarill in der Fabrik ihre zweite CD „Pilgrim“ vorstellen. Man muß gar nicht lang rumreden, ich bin echter Fan dieser Musik, finde die erste CD traumhaft (dieses Wort, traumhaft, trifft es sehr genau), durfte bisher eins, zwei, drei Konzerte sehen und auch wenn ich noch nicht weiß, ob ich es zum Release – Konzert schaffen werde, so möchte ich allen, die zu dem Zeitpunkt grob in der Nähe Hamburgs sind sehr nahe ans Herz legen, das Konzert zu besuchen. Leute, die die zwei schon gesehen haben, wissen sowieso, was ich meine. Und all‘ die, die keine Ahnung haben, was das denn jetzt schon wieder für zwei Mädels sind: Karten kaufen, hingeh’n. Die Musik ist absolut nicht formatradiotauglich, trifft aber jeden. Versprochen.

Winterwunderwelt

Götz Alsmann: Winterwunderwelt; Copyright: Roofmusic

Dieses Jahr bin ich bisher um meine Wham ! – sche Deflorierung noch herumgekommen und ich drücke beide Daumen und auch noch die dicken Zehen, daß dies so bleiben möge. Aber natürlich möchte auch ich jetzt nach der Tour in weihnachtliche Stimmung kommen und wie könnte ich es besser, als mit der „Winterwunderwelt“ von Götz Alsmann. Daß ich Götz gern höre verriet ich Euch bereits an anderer Stelle. Hier gelingt es ihm, zusammen mit der WDR – BigBand bekannte und eigene Stücke so zu interpretieren, daß nicht der übliche Schmalz aus den Lautsprechern sülzt, sondern leicht ironischer Schmelz die Ohren streichelt. So fällt es mir leicht, Euch eine Kaufempfehlung ganz nahe ans Herz zu legen, auf daß Weihnachten wundervoll werde.

Musikalische Ausflüge

All‘ die, die noch nicht wissen, was sie heute Abend tun sollen, könnten ja mal wieder in die Kirche gehen. In die Katharienenkirche in Hamburg. Dort findet nämlich die Dezember – LauschLounge mit den wunderbaren Fjarill, sowie mit Mika Doo, Lukas Hilbert und Dirk Hoppe statt. Der Besuch ist stärkstens empfohlen.

Einen ganz anderen Ausflug habe ich am heutigen Touroffday gemacht. Angestoßen von einem Artikel bei der Nachtschwester habe ich mich in die aktuelle Musik des Balkans gestürzt und wunderbare Melodien gefunden. Selbst wenn man die Texte nicht versteht, so ist die Musik doch so schön, daß allein die Ahnung, die Worte könnten so lyrisch sein, wie die Nachtschwester sie übersetzt, ausreicht, um darin zu versinken. Der Postbote wird mir ein dickes Amazon – Päckchen bringen…

Hier nun also nun das Video von Darko Rundek, das für mich der Auslöser war. Wunderschön.