Lieferzeit wegen Wirtschaftskrise

Bei einem befreundeten Truckingunternehmen gab es in den letzten Tagen einen Unfall, bei dem der 18-Tonner final in die ewigen Jagtgründe eingegangen ist. Für die Emphaten: kein Personenschaden. Nun will das Unternehmen einen nagelneuen Wagen kaufen und weil es in die restliche Flotte paßt, soll es ein Fahrzeug des Herstellers mit drei Buchstaben sein, der zur Zeit auch anderweitig in der Tagespresse auftaucht. Beim Telephonat mit dem Verkauf bekam man dann zu hören, daß eine spontane Lieferung nicht möglich sei. Frühestens im August könne man mit einem neuen Fahrzeug rechnen, weil zur Zeit wegen der Wirtschaftskrise Kurzarbeit sei und man deshalb nicht schneller liefern könne.

So ein Schwachsinn.

Dieses Beispiel zeigt, daß viele Betriebe das Gelaber um die Wirtschaftskrise nutzen, um krisenunabhängig an der Renditeschraube zu drehen und noch auf Kosten der Allgemeinheit ein paar Steuermillionen mitzunehmen. Wenn es mir als Unternehmen schlecht geht, dann baue ich doch keine Lieferzeiten von drei Monaten auf, sondern liefere sofort. Was meint: sofort. Jede Krise ist auch eine Chance für Dienstleister. Das scheint dieses Unternehmen noch nicht begriffen zu haben.

Citroën Xsara Picasso

Als vor einiger Zeit sich ein Freund ein neues Auto kaufen wollte sprach er mich auf meine Erfahrung mit den zahlreichen Mietwagen an, mit denen ich so unterwegs bin; ich könne doch sicher viele Autotypen beurteilen. Das wiederum bringt mich nun auf die Idee, Euch einfach mal ein wenig über die Autos zu schreiben, mit denen ich durch die Gegend gurke. Was gefällt mir daran, was nicht. Natürlich ist das kein echter Autotest, sondern es geht wie immer nur um meine ganz subjektive Empfindung.

Gestern war ich mit einem Citroën Xsara Picasso unterwegs. Von außen hat er erst mal die zur Zeit sehr gefragte MiniVan – Form. Ehrlicherweise bin ich mehr Freund der hinten recht eckigen Form, weil man dann einfach mehr in den Kofferraum hineinbekommt. Beim Xsara fließt die Form hinten mehr; da hätte ich beim Casetransport schon wieder Kopfschmerzen. Dafür ist aber die Ladekante niedrig und gerade, das ist gut.

Innen sagt mir das Fahrzeug ehrlicherweise nicht zu. Ich bin nur 180cm groß, aber die Kopfstützen lassen sich schon nicht ausreichend hochstellen, das ist schwach. Auch gibt es viel zu wenig sinnvolle Ablagen und Fächer. Rund um das Lenkrad sind vier Hebel angeordnet: Blinker/Scheinwerfer und Tempomat auf der linken Seite, Scheibenwischer und Radiosteuerung auf der rechten. Ich selbst mag mehr Knöpfe, die in das Lenkrad integriert sind, als diese ganzen Hebel; aber das ist echt Geschmacksache. Keine Geschmacksache sind die Knöpfe für die Fensterheber: die Bedienung für vordere und hintere Fenster sind an komplett unterschiedlichen Stellen; das ist Murks. Auch nicht ideal ist die Anordnung des Zentralverriegelungsknopfs, der nahtlos in den Warnblinker übergeht. Toll finde ich aber die 12V – Steckdose im Kofferraum für Reisekühlschränke oder ähnliches.

Der Wagen zieht zügig an und fährt 172km/h (laut Navi). Leider ist das Auto sehr seitenwindanfällig; die recht empfindliche Lenkung vereinfacht das Steuern ab etwa 120km/h auch nicht gerade. Beim Einparken ist absolut nicht zu sehen, wo der Wagen vorn oder hinten zu Ende ist.

Unter’m Strich definitiv kein Auto, das ich mir kaufen würde. Da ist deutlich zu viel verbesserungswürdig.

Es geht los

Während ja viele unkten, daß sich die Inbetriebnahme der ersten Sender für drahtloses Breitbandinternet hinziehen werde (die Frequenzen dazu liegen in den von uns für Drahtlosmikrophone genutzen Bereich), kann ich heute in einem internen Brancheninfo Folgendes lesen: „An den drei wesentlichen Berliner Sender-Standorten ist seitens Media Broadcast die Technik für den TV Kanal 64 installiert und einsatzbereit […]  Damit wird der Frequenzbereich 814-822MHz am oberen Ende des D-Bandes zeitnah nicht mehr für Wireless – Strecken zur Verfügung stehen.“

Na denn Prost.

Und es ist ja auch klar, was von der vollmundigen Ankündigung „Internet für’s platte Land“ zu halten ist, wenn die erste Strecke ausgerechnet in Berlin in Betrieb genommen wird.

Verarsche

Wo wir gerade bei Wahlen sind: Merkel, CSU und FDP wollen nach der Bundestagswahl die Steuern senken. Sagen sie jedenfalls gerade. Mal abgesehen davon, daß wir wahrscheinlich gar keine Steuern mehr zahlen würden, wären alle Wahlversprechen der letzten Jahrzehnte in Erfüllung gegangen, komme ich mir doch wirklich für sehr dumm verkauft vor !  Gerade werden Milliarden an Geschenken und Subventionen rausgehauen, um angeblich der Wirtschaftskrise zu trotzen, es gibt eine Neuverschuldung, die historisch (und historisch dumm) ist und nach der Wahl sollen dann die Steuern gesenkt werden ?  Für wie bescheuert halten die Herrschaften die Wähler eigentlich ?  Oder wenn das wirklich ernstgemeint ist: wie bescheuert sind eigentlich diese Politiker ?  Das kann man doch gar nicht ernstnehmen.

Politikverdrossenheit entsteht, wenn die Regierenden sich so sehr vom Alltag des Volks entfernen, daß beide Welten nichts mehr miteinander zu tun haben. Solche Vorschläge sind ein gutes Zeichen dafür, daß es so ist und daß man das Gelaber aus Berlin einfach nur aus kabarettistischen Zwecken beachten sollte.

Wahlwerbesendung

Ich habe heute meine Briefwahlunterlagen zur Europawahl bekommen. Mal abgesehen davon, daß ich schon amüsiert bin darüber, wer sich alles zur Wahl stellt, möchte ich hier mal zum Nachdenken anregen.

Wenn man sich überlegt, daß wir uns eigentlich in der heißen Wahlkampfphase zur Europawahl befinden müßten, dann merkt man davon in der realen Welt nicht viel. Früher — und Berlusconis Supermodelkandidatinnen zeigen, daß sich daran nicht viel geändert zu haben scheint — wurde das Europaparlament nicht echt ernstgenommen. Die Zweit- bis Drittliga wurde nach Brüssel geschickt, das war dafür gut genug. In der heutigen Zeit kommen aber so viele Gesetze von Brüssel gewissermaßen durch die kalte Küche in die einzelnen Staaten, daß man seinen Augenmerk da mal viel deutlicher hinlenken sollte. Bundes- und Länderpolitik ist ganz massiv von den Technokraten aus Brüssel geprägt; fast möchte man meinen, daß die Grundlagenpolitik in der EU gemacht wird und nicht mehr in den Staaten. Da mag es um so mehr verwundern, daß die jetzt anstehenden Wahlen so wenig Beachtung finden.

Ich möchte Euch aufrufen, ganz genau hinzuschauen, wen und vor allem was Ihr da in Europa wählt. Die Koalitionen in Deutschland sind jedem bekannt, aber kaum einer auf der Straße weiß, wer in Brüssel mit wem paktiert und plötzlich sind dann die Verordnungen da, über die wir uns alle im Alltag so ärgern.

Tourschluß in der Arena Nova

Ein paar Kilometer neben Wien liegt die Stadt Wiener Neustadt. Das ist kein Ortsteil Wiens, wie man ja erst einmal meinen würde, sondern eine ganz eigene Stadt. Und hier haben wir nun unser letztes Konzert der „großen“ Tour, danach geht es für die Kapelle mit kleinen Terminen weiter. Die Arena Nova ist ein Multifunktionstonnenbau, der durch die Dachkonstruktion viele Hängepunkte und außerdem recht gute Lademöglichkeiten hat. Was will man also mehr. Außerdem haben wir heute teilweise die selben Hands wie gestern, was auch perfekt ist. Immerhin sind wir in der Halle D trotz des sehr langen Ladeweges nur knapp am Laderekord vorbeigeschrappt.

Am letzten Tag dann auch noch ein kleiner Phototermin; Ihr seht weite Teile der Crew (Philip, Marc, Stöpsel, Michel, Carola, Schneider, mich, Basti, Matze, Stefan) drei Kollegen (Michi, Jogi, Christian) fehlen leider.

Auf- und Abbau dauerten heute etwas länger, weil es doch ein übles Kletterdach ist, in dem der einzelne örtliche Rigger schon ganze Arbeit leisten muß. Auf der anderen Seite mußten wir sowieso alles auseinanderrupfen, da hat man die Zeit schon.

Während und nach der Show große Verabschiedungsarie. Wir sind doch ein recht angenehmer Haufen. Im Herbst gibt es Zusatztermine, aber jetzt warten erst mal andere Aufgaben.

Dora

Heute dann mit den Spatzen in der Stadthalle Wien. Die Stadthalle besteht entgegen ihrem Namen aus mehreren Hallen. In der Halle F war ich schon häufig mit Annett oder Max, in der Halle D zuletzt zu Zeiten, in denen ich noch nicht blogte. Auch wenn die D die größte Halle ist, so spielen wir ehrlicherweise eine verkleinerte Variante, die 3.500 Leute faßt.

Beim Aussteigen aus dem Bus mußte ich erst mal lachen: direkt neben dem Bühneneingang war ein Bereich groß abgesperrt und mit „Sanitär“ beschildert. Darauf ein Sanitäterfahrzeug. Im Grunde ist so eine Stentoperation ja auch nichts wesentlich anderes, als eine Rohrreinigung, oder ?

Mittags dann ein wenig Aufregung: seit ein paar Monaten darf man aus feuerpolizeilichen Gründen mit dem LKW nicht mehr vor der Halle parken. Leider wußte das der diensthabende Portier nicht und hatte unseren Trucker angewiesen, den Wagen dort abzustellen. Nach dem Schichtwechsel sollte der LKW dann plötzlich da weg, aber wegen der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten war das leider nicht mehr möglich. Große Telephoniererei mit dem Ergebnis, daß wir ausnahmsweise doch dort stehenbleiben durften. Der Pförtner hat jetzt lange Ohren.

Ansonsten gibt es nichts besonderes zu berichten.

VAZ St. Pölten

Heute beginnt der letzte Block der „großen“ Spatzentour; wir spielen drei Termine in Österreich. Danach wird es zwar noch weitere Termine geben, aber mit kleinem Besteck und einem Zwölftonner, damit habe ich dann aktiv nichts zu tun (gebucht habe ich das trotzdem). Gespielt wird im VAZ St. Pölten, einer eher häßlichen Messehalle. Unser Material war in den letzten zwei Wochen noch auf einer anderen Produktion, darum hatten wir heute etwas mehr zu tun als sonst. Außerdem hängen wir Aufgrund der ungünstigen Riggingpunkte heute 4 Motoren und 14,40m Traversen mehr als üblich. Das dauert auch deshalb länger, weil man in dieser Halle nur einen Scherenlift und keinen Cherrypicker hat, was vor allem über der Bühne Leitergebastel bedeutet.

Hier mal wieder ein Bild aus meiner kleinen Studie: „bewegende Momente“. Wieder ist es unglaublich, wie viele Zuschauer bei einer Belichtungszeit von 30 Sekunden immer noch scharf sind. Zugegeben: es ist schon eine eher ruhige Nummer („Ein Leben lang“).

Um mal ein wenig für Abwechslung zu sorgen, haben wir heute Rüdiger, den Drummer, an unser Showinterkom angeschlossen. Interkom ist die Sprechverbindung der Techniker untereinander. Mittels einer kleinen Bastelei war es möglich, das Signal auf sein InEar – Monitoring zu geben; er konnte mit einem unauffälligen dpa – Headset mit uns sprechen. Dazu bedurfte es keines teuren Interfaces, sondern einfach einer schnellen Lötarbeit. Großer Spaß und wärmstens zu empfehlen.

Hinter der Bühne ist noch eine Disko, das Warehouse, in dem heute Abend auch noch eine Studentenparty ist. Dort hängt eine sehr geniale, etwa 1,20m große Spiegelkugel, die komplett mit Kronkorken beklebt ist. Der Plan ist, nach Abbauende noch zu helfen, eine zweite Kugel anfertigen zu können. Bis Wien sind es nur 60 Kilometer.

Während ich nach Abbauende recht schnell ins Bett bin, waren die Kollegen zum größten Teil tatsächlich noch weg. Soll sehr lustig gewesen sein. Schließlich wäre es völlig verantwortungslos, den Studenten den ganzen Alkohol zu überlassen. Bei der aktuellen Komasaufdiskussion mußte man als verantwortungsvoller Erwachsener die Alkoholbestände dezimieren, damit sie nicht komplett in junge Hände fallen.