Schneesturm, Teil 2

Schon am Wochenende berichtete ich vom durch Pappeln ausgelösten Schneesturm, auch gestern kam es hier zu einer massiven Schneedecke. Man kann also mittlerweile fast sagen: Ski & Rodeln gut. Erst mal wollte ich mich davon nicht hindern lassen, trotzdem mein Gartenbüro zu beziehen. Nachmittags drehte jedoch der Wind, so daß die Pollen nicht mehr gegen meinen Rücken, sondern in Augen, Mund & Nase flogen. Natürlich hätte ich mich auch einfach nur umdrehen müssen, aber ich war es leid und floh…

Photo: Annette Prüfer

Photo: Annette Prüfer

Neuer Job

Ich finde es äußerst beruhigend, wenn man in Zeiten wie diesen Mails bekommt, die einem den eigenen Marktwert äußerst positiv vor Augen führen. Jetzt weiß ich sicher: komme da was wolle, ich habe eine glänzende Zukunft vor mir, meine jetzigen Cheffen können sich warm anziehen. Aber seht selbst, was Patrice mir schreibt:

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Blömsche

Wie in der Vergangenheit schon häufiger, so habe ich auch zur Zeit durchaus reichlich zu tun —  nur Blogbares ist nicht dabei. Darum hier mal ein paar Impressionen aus meinem Gartenbüro. Während ich also Vergangenes nach- und Kommendes vorbereite, habe ich immer wieder die Gelegenheit, mich auch mal ein wenig zu entspannen.

Tourende Stefan Gwildis

Zugegeben: das ist jetzt auch schon anderthalb Wochen her. Aber ich hatte einfach keine echte Lust zu bloggen. Zu viel drumherum war los und ehrlicherweise fand‘ ich es auch ganz schön, nach vielen Monaten unterwegs mal etwas mehr Ruhe einkehren zu lassen. Jetzt aber, jetzt will ich Euch doch erzählen von der letzten Stefan Gwildis – Show der von uns betreuten Tour in Flensburg.

Stefan ist einfach ein toller Entertainer, kann singen und auch seine Band ist ein Knaller. Ich verstehe ehrlicherweise gar nicht, warum er nicht deutschlandweit überall die großen Hallen füllt. Die Shows sind für Leute jeder Altersstufe einfach klasse und so war es für mich ein echtes Vergnügen nach Flensburg zu fahren und zu schauen, ob denn alle zufrieden waren. Das Schöne: sie waren. Die Musiker mit den Technikern, die Techniker mit den Musikern und alle zusammen mit dem Material; was will ich als Disponent mehr.

Obwohl die Truppe ja nun 40 Termine hinter sich hatte, waren alle sehr entspannt drauf, wie man hier sehr deutlich bei Mirko sieht. Schließlich musiziert man in dieser Besetzung schon seit vielen Jahren zusammen.

Hatten mir Licht & Ton schon bei der Premiere gefallen, so war mittlerweile alles noch ausgefeilter, noch pointierter; wie hier Matze bei einem Solo. Und so war auch genug Platz für die zahlreichen Dernierengags, die die Crew vorbereitet hatte. Da hatte dann plötzlich Keyboarder Ralf, der sich die ganze Tour über nicht gegen launige Ansagen Stefans hatten wehren konnten, ein Mikrophon für den Gegenangriff.

Was macht man, wenn die Bläser der Band nicht mit dabei sein können ?  Man inszeniert eine Liveschalte und läßt die Bläser zuspielen. Das klingt erst einmal einfach. Besonders schön wird es, wenn die Stimmen der Bläser beim Gespräch durch Trucker und Busfahrer synchronisiert werden; sehr zur Freude der restlichen Crew. Stefan war danach deutlich bemüht, ernst zu bleiben.

Einer der Höhepunkte der Show (und deutlich zu sehen ist, daß Mirko kaum zu halten war): Backliner Jürgen Feuerlein nutzte ein Beatbox – Posaunensolo Stefans, um mit Posaune bewaffnet die Bewegungen zu Stefans Geräuschen zu machen. Jürgen hatte davon auch dem Rest der Crew vorher nichts erzählt und so war auch am FOH großes Lachen angesagt.

Auch Jürgen war nicht ganz schuldlos daran, daß Stefan im LosWochos – Teil nicht seine Gitarre, sondern nur ein sehr kleines Gitarrenmodell auf der Bühne fand — das er aber anstandslos spielte. Es gab noch ein paar weitere Gags (ich sag‘ nur: Wiener), die tatsächlich nur vom internen Kreis bemerkt und verstanden wurden. Insgesamt konnte man merken, daß man sich schon gegenseitig sehr ans Herz gewachsen war.

Das Licht der Tour stammte von Dennis Nähr, den treue Leser schon von den Annett – Touren kennen und der auch hier wieder ein sehr gutes Gefühl für die einzelnen Stimmungen der Songs entwickelte.

Der Frontton wurde von Peter „Spiko“ Spiecker geschoben, der wie Dennis auch, Stefan schon seit Jahren betreut.

Außerdem mit dabei: Thomas Diepolder (Licht/Dimmer, 1.v.l), Hermann Boddin (TL und Ton-SysOp, 2.v.l) und Stefan Tönnis (Monitor, 1.v.r in der Reihe, mit hellem Shirt).

ESC

Der Eurovision Song Contest ist wie jedes Jahr eine aktuelle Leistungsshow der Veranstaltungstechnik und was die Kollegen mit dem P da mit über 80 Trailern auf die Beine gestellt haben, ist wirklich beachtlich (allein die Zollformalitäten…). Dabei waren die Anforderungen in Moskau hoch: Vorbild waren die Eröffnungsfeierlichkeiten der Olympiade in Peking.

Das erste Mal in der Geschichte des ESC wird eine Halle quer bespielt, um mehr Platz für das Bühnenbild zu haben. Das wiederum besteht ausschließlich aus Video; Boden, Seiten und obere Teile sind verfahrbar, Nebel kommt zwischen den Videokacheln aus dem Boden. Alles ist schon richtig, richtig fett.

Ein paar Dinge sind nicht fett: der deutsche Moderator ist 30 Jahre jünger als sein Vorgänger, aber genau so langweilig und konservativ. Das hatte ich mir besser gewünscht und es gibt doch im internationalen Vergleich wirklich spritzige nationale Moderatoren. So etwas muß doch auch in Deutschland möglich sein.

Ansonsten fand ich die Präsentation der einzelnen Songs zu hektisch hintereinander weggespielt; die Jingles zwischendurch waren nichtssagend und die Kameraführung während der Stücke oft einfach unübersichtlich. Letztlich also trotz der gigantischen Technik keine tolle Show, sondern ein Hintereinanderweggespiele. Witzig fand ich auch, daß ein Rhodes die ganze Zeit deutlich sichtbar am Bühnenrand stand, bis es dann für eine Nummer gebraucht wurde. Hatte man es da während der Show einfach vergessen ?

Wirklich richtig gut aber waren Eröffnung und vor allem die Nummer mit den verfahrbaren Wasserbecken in der Abstimmungspause. Das Genehmigungsverfahren in Deutschland hätte ich nicht machen wollen ;-)

Nun kurz meine Meinung zu den einzelnen Songs:

01 Litauen
Nette Nummer, schnell zu vergessen, schön die Flamme in der Hand am Ende.

02 Israel
Langweilig, aber politisch schön. Hilft hier natürlich nicht.

03 Frankreich
Bringt den Abend dahin zurück, wo er herkam: als der Contest noch einen französischen Namen mit Chanson hatte. Keine Show; sie kommt, singt ohne Tänzer und Gedöne und gewinnt Herzen. Ich bin auf die Wertung sehr gespannt. Allein um diese ganzen halbbekleideten Tänzerinnen zu ärgern müßte sie gewinnen.

04 Schweden
Opern – Disko. Und zu langsame Operator an den Kameras, die mit dem Gain nicht mitkommen. Aber singen kann se‘.  Ein Song mit hohem Wiedererkennungswert. Find‘ ich gut, auch wenn ich der tollen Stimme einen weniger diskolastigen Song gewünscht hätte.

05 Kroatien
Hach ist der schön…

06 Portugal
Ein guter Song, um sich mal die Bühne genauer anzuschauen. Fuck, da wurde deutlich geklotzt. Bei Produktionskosten von über 50.000.000,00€ kein Wunder.

07 Island
Schöne Ballade. Mit Windmaschine.

08 Griechenland
Der Sänger sieht ein wenig so aus wie der junge Dieter Bohlen. Und die Musik könnte auch von Bohlen sein. Das ist schon richtig Partymusik.

09 Armenien
Hier kommen sehr unterschiedliche Meinungen auf. Mir gefällt die Nummer nicht, meiner Begleitung zur Rechten gefällt sie. Und es wird wirklich an Nichts gespart: Feuer, Laser, alles da.

10 Rußland
Es dauerte ein wenig, bis ich begriff, daß die Sängerin im Hintergrundvideo während des Songs künstlich alterte. Schön find‘ ich’s nicht.

11 Asserbaijan
Der Song fing eigentlich ganz schön an und endet dann doch beliebig. Nur die Bühne… Ich will auch mal.

12 Bosnien Herzegovina
Hm. Hat schon was von Filmmusik.  Nicht soooooo schlecht.

13 Moldavien
Schmissiger Ethnopop. Insgesamt ist die Veranstaltung doch sehr von östlichen Tönen geprägt. Kein Wunder bei der Teilnehmerliste. Die Nummer gefällt mir richtig gut.

14 Malta
Zum dritten Mal dabei, bitte nicht wieder wählen. Äh… falsche Sendung.

15 Estland
Die Nummer fließt so vor sich hin, aber sagt mir eigentlich nichts.

16 Dänemark
Netter Hausfrauenpop.

17 Deutschland
Die Nummer schwingt ja schon. Aber der Auftritt von Dita war lange nicht so späktakulär, wie vorher gehypt.

18 Türkei
Wieder eine knallige Nummer. Eben Türkpop. Das macht schon gute Laune.

19 Albanien
Spiderman hat für Albanien gestimmt. Wenn Deutschland Dita mitbringen darf, warum dann Albanien nicht diesen Filmhelden. Dem Song fehlt aber die Überzeugung des türkischen Vorgängers.

20 Norwegen
Als Favorit gehandelt, der Refrain ist toll, aber der Rest des Songs geht komplett an mir vorbei.

21 Ukraine
Zu viel !  Weniger wäre hier echt mehr gewesen. Das Ding heißt Song Contest.

22 Rumänien
‚Ne nette Girlbandnummer.

23 England
Die Zeit der Andrew Llody Webber – Musicals ist einfach vorbei.

24 Finland
DJ Bobo alike – Contest.

25 Spanien
Trallalla.

Ich. Verstehe. Es. Nicht !

Norwegen. Hm.

Aber auch das relativ gute Abschneiden von England geht in meinen Kopf nicht rein. Und der estnische Song, oder der Spiderman aus Albanien waren doch bitte um Klassen schlechter als der deutsche Beitrag.

Im nächsten Jahr sollte man übrigens eine Regel einführen, nach der die tolle, gigantische, unglaubliche Show nicht mehr gerühmt werden darf. Das ist bei der Punktevergabe etwas langweilig.

Deutschland ist übrigens einer der Hauptfinanzierer der Veranstaltung.

Tja. Noch mal: ich verstehe die Wertung nicht. Gar nicht. Island: ja. Akzeptiert. Aber sonst…

Wahrscheinlich habe ich einfach keinen Geschmack.

Nachtrag: was bleibt am Tag danach… Immer noch Unverständnis. Klar, der Junge ist süß und fällt gewissermaßen noch unter den Welpenschutz; das mag eine Rolle gespielt haben. Daß er aber so unglaublich eindeutig gewinnt, verstehe ich nicht. Insgesamt eine Veranstaltung ohne einen falschen Ton, das gab es in der Geschichte des ECS selten und spricht ja für die Qualität der auftretenden Sänger. Insgesamt gab es meiner Meinung nach zu wenig wirklich herausragende Stücke; viel, viel Mainstream. Und auch nur so kann ich mir auch den relativen Webber – Erfolg erklären. Nun denn…

Ehrlicherweise bin ich der Meinung, daß insgesamt zu viel Show und zu wenig Song geboten wurde. Vielleicht sollte man wie früher ein Orchester da hinsetzen und alle müssen vorher ihre Noten einreichen. Gigantomanie ist natürlich für einen Techniker wie mich interessant, aber es kommt eher nicht dem Produkt zugute.

Ich bin sehr gespannt, wie die deutschen Medien jetzt wieder den eigenen Beitrag zerfleischen.

ad absurdum

Bei mir in der Nachbarschaft gibt es natürlich auch einen Biomarkt. Ich selbst kaufe da nicht so gerne ein, weil ich die Atmosphäre dort einfach zu esotherisch finde; allein die Lammbratwürstel sind tatsächlich klasse. Immer wieder bin ich allerdings deutlich über die Produkte irritiert: Spargel aus Ungarn, Kartoffeln aus Ägypten, Erdbeeren aus Spanien, Birnen aus Argentinien und Milch (hier nicht auf dem Plakat) aus dem Allgäu. Das führt den Bio – Gedanken deutlich ad absurdum, finde ich. Teil der Philosophie ist es doch gerade, Produzenten aus der Umgebung zu nehmen, damit die Ware nicht weit durch die Gegend kutschiert werden muß und damit keine unnötige Energie verbraucht wird. Alle aufgeführten Produkte gibt es auch in hervorragender Qualität von Bauern rund um Hamburg. Interessanterweise bekomme ich beim Edeka ein paar Meter weiter ebenfalls Bio – Qualität, günstiger und von heimischen Erzeugern. Aber dort ist natürlich das Karma nicht so gut, weil es da auch herkömmliche Produkte gibt. Was mir herzlich egal ist.

Hi-Fi

Vorgestern war ich beim Tourabschluß von Stefan Gwildis in Flensburg. Ich komme gerade nicht dazu, die zahlreichen Bilder zu sichten, die ich von der Show schoß; da müßt Ihr Euch also noch ein wenig gedulden. Zeigen kann ich aber schon mal ein Schätzchen, daß Mirko auf der Tour mit dabei hatte: einen alten Dynacord – Kofferverstärker. Man achte auf das Hi-Fi oben links…