Schanzenfest — am Tag danach

Am Tag danach habe ich einen ausgiebigen Spaziergang durch das Schanzenviertel gemacht. Ich wollte einfach mal sehen, was denn alles zu Bruch gegangen ist. Bei drei direkt nebeneinanderliegenden Geschäften auf der Schanzenstraße wurden die Scheiben von Yuppieläden eingeschlagen. Wenn ich mir die Presseberichterstattung dazu anschaue, dann ist nicht klar, ob dies tatsächlich gestern Abend, oder aber schon am Abend zuvor geschehen ist. Im Viertel wohnende Freunde erzählen allerdings, daß der Schaden schon in der Nacht zuvor geschah. Ansonsten sieht es im Viertel so aus wie immer am Sonntag.

In den Medien ist zu lesen, daß dieses Jahr der „Mob“ besonders gewaltbereit gewesen sei. Zumindest äußerlich sieht es auf der Schanze insgesamt ziviler aus als letztes Jahr beispielsweise. Es stellt sich also für mich die Frage, ob diese Formulierung eine übliche Floskel ist (auch in den letzten Jahren gab es ja solche Äußerungen) und ich sie nicht weiter ernstnehmen kann, oder ob an anderer Stelle da tatsächlich etwas Wahres dran ist.

Grundsätzlich finde auch ich die Verschicksung des Schanzenviertels sehr bedauerlich. Allerdings halte ich Sachbeschädigung für einen ziemlich beknackten Weg, daran etwas zu ändern. Ich schaffe so nur Märtyrer und verändere nichts. Wenn ich also gegen die Entwicklung bin, dann kann ich entstehende Geschäfte mit ihren ganz eigenen Methoden bekämpfen: in dem ich einfach nicht hingehe.

Der Innensenator muß sich konstruktiv mit den Anwohnern zusammensetzen und für das nächste Jahr ein schlüssiges Konzept entwickeln. Es kann nicht sein, daß die Polizei mit ihrem „Wir haben hier den Längsten“ – Gehabe die Situation mehr formt, als ein paar verblendete Jugendliche.

8 Gedanken zu „Schanzenfest — am Tag danach“

  1. Das Foto passt leider nicht so ganz, die Fenster bei Arndt und Bleibohm waren schon vorher länger kaputt und wurden nicht erst am Samstag beschädigt.

  2. Die Scheiben wurden sogar schon eine Woche vorher in einer Nacht- und Nebelaktion (passenderweise mit anschliessender Zündung von Rauchbomben) eingeschlagen und in weiser Vorraussicht nicht ersetzt.
    Ich kann die „Floskel“ nur als wahr bestätigen, denn ich wohne da um die Ecke und das was ich in diesem Jahr beobachtet habe war deutlich agressiver. Das liegt aber nicht an den Bewohnern und auch nicht an den Polizisten (über das Grundproblem hier kann man Ewigkeiten philosophieren) meiner Ansicht nach waren diesmal noch viel mehr Krawalltouristen vor Ort und diese waren diejenigen die Flaschen schmissen und unter den Wasserwerferstrahlen rumsprangen als ob es Spaß bringt. Idioten!

  3. Es ist einfach und zu Recht so, dass immer mehr Leute immer mehr empört sind über die rasende Verdrängung von Normal- und Geringverdienenden aus den gewachsenen Stadtteilen. Wohn- und Gewerbemieten explodieren im Schanzenviertel und der Umgebung. Auch Menschen, die sich bisher nicht in der Richtung engagierten, haben die Nasen gestrichen voll davon.
    So sind eingeschlagene Scheiben Ergebnis von berechtigter Wut. Dazu zeigen sie auf, dass die Gegend vielleicht doch äußerst riskant für die Bilanz sein kann.

    Filmtipp: http://www.empire-stpauli.de

    1. Eingeschlagene Scheiben sind vielleicht das Ergebnis von Wut über die Veränderungen im Viertel, vielleicht aber auch nur das Ergebnis von Lust an Zerstörung. Immer jedoch ist es kein gerechtfertigtes Mittel, um seine Wut auszudrücken. Auch wenn ich das Verhalten der Polizei zutiefst mißbillige, so kann ich Zerstörung nicht gutheißen.

  4. @Frau Mann
    „So sind eingeschlagene Scheiben Ergebnis von berechtigter Wut.“

    Warum bist Du so lächerlich harmlos?

    Eingeschlagene Fresse ist berechtigt, wenn mir berechtigter Weise die Nase des Gegenübers nicht passt!

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