Im Wundermarkt der Elektronik

In Deutschland kennt der Elektronikbastler vielleicht Conrad oder Völkner. In China ist das ganz, ganz, wirklich völlig ganz anders. Dort gibt es Elektronikmärkte in einer Größe und Diversität, die man in Deutschland noch nichtmal zu träumen wagt. Wie diesen Markt hier (nur einer von einigen in der Nachbarschaft), der mit einer geschätzten Grundfläche von 2.000m² daherkommt. Pro Etage. Das ganze auf sechs Etagen. Was in Deutschland irgendwo in die letzte Ecke verbannt würde, nimmt hier die komplette erste Etage und Teile der zweiten ein: Bauelemente. Du willst ein Kilo Elkos 4,7μF, 25V kaufen ?  Kein Problem, bekommst Du. Irgendwelche MiniXLR – Stecker für Beltpacks, für die man in Deutschland ein Vermögen hinlegt, liegen hier im Dutzend billiger, Netzteile, Widerstände, ICs, Prozessoren …… alles, wirklich alles da und in Mengen & Preisen verkaufsbereit, daß man gar nicht weiß, wo man hinschauen soll. Unfaßbar. Das obige Panoramabild kann man wie immer größerklicken.

Neben Dingen, die eher der Bastler will, gibt es natürlich auch alle möglichen Gimmiks, beispielsweise Laserpointer. In Deutschland sind sie in Leistungen zwischen einem und fünf Milliwatt zu haben (also 0,001 – 0,005W), größere Leistungen sind unzulässig, weil einfach gefährlich. Hier kann man Laserpionter bis 2,2W (in Worten zwei Komma zwei Watt) kaufen. Das sind echte Waffen. Das ist jetzt kein Spruch, sondern eine ernsthafte Erfahrung. Johannes hat so einen Laser vielleicht eine halbe Sekunde auf seine Hand gerichtet und hatte danach eine böse Verbrennung. Nicht auszudenken, wenn man sowas in die Augen bekommt. In China wird sowas frei und ohne weitere Nachfragen zu zweistelligen Preisen verkauft.

Auch LEDs sind hier natürlich in allen möglichen und unmöglichen Variationen zu bekommen. Als Baustrahler, wie oben im Bild, als einzelner Chip bis 28W in weiß (auch hier nochmal in Worten: bis achtundzwanzig Watt in einem Chip)……

…… als Meterware auf Spulen in allen möglichen Farben und Farbkombinationen, gern auch selbstklebend ……

…… und auch als fertig montiere Straßenlaternen, die übrigens in China auch schon „in freier Wildbahn“ großflächig montiert werden und ein für Straßenbeleuchtung sehr angenehmes Licht machen.

Weil wir in China sind und die Asiaten es ja bunt lieben, gibt es hier natürlich auch den größten Kitsch. Den muß man als Europäer jetzt vielleicht nicht kaufen. Aber interessant ist es allemal.

Nur als ein Beispiel für die vielen interessanten Dinge, die es hier zu kaufen gibt, seien diese 19″ Steckdosenleisten mit eingebautem Meßgerät gezeigt. Preis unverhandelt 185,00¥, also umgerechnet etwa 22,00€. Sollte ich nochmal nach China kommen, werde ich sicher ein, zwei Tage Zeit mitbringen und einen Container vollmachen. Das lohnt sich sicher.

Ein anderes Beispiel: hier eine Etage eines anderen Ladens. Nur Handys. Geschätzte 1.500m² nur Handys. Originale und Nachbauten. Uns wurde, ja, zugegeben, mit einem Grinsen, bereits das iPhone 5 angeboten. Neben dem Grinsen bekamen wir auch direkt eine Erklärung dazu: Apple würde doch sowieso um die Ecke, in Shenzen, fertigen lassen und das seien halt die Vorserienmodelle zum Testen der Funktionen. Darum seien sie auch so günstig. So ein „iPhone 5“ sieht tatsächlich so aus, wie man sich das Telephon vorstellen würde. Haptik, Wertigkeit, Bedienoberfläche, alles so, wie’s muß. Daß unter der Haube dann Android läuft …… ist das wirklich wichtig ?

Wieder ein anderer Laden, dieses Mal nur vier Etagen, dafür aber verwinkelter und auf mehr Quadratmetern pro Etage. Im Erscheinen etwas ranziger. Hier werden Kleinserien direkt am Stand zusammengelötet. Und natürlich rechnen wir jetzt nicht mit in Deutschland vorgeschriebenen Absaughauben für die Lötdünste. Wir sind in China.

Was jetzt wie ein Bericht aus dem Paradies des Elektronikfreak klingt ist es auch fast. Fast. Vorsehen muß man sich vor allzu billigen Kopien. Bloß weil Neutrik auf dem XLR – Stecker draufsteht muß es kein echter Neutrik Stecker sein. Bloß weil der USB – Stick beim Reinstecken in den Laptop tatsächlich 756GB anzeigt müssen da keine 768GB draufpassen (das gilt natürlich auch für das 256GB – Modell). Vor dem Kaufen muß man immer prüfen. Und wenn man das in Ruhe und offenen Auges tut, dann werden einem die Ungereimtheiten schon auffallen. Man darf sich einfach nicht schnell begeistern lassen, denn sonst zahlt man trotz unglaublich günstiger Preise drauf. Wenn man aber in Ruhe und Besonnenheit Geschäfte macht, dann lohnt sich das hier ganz sicher sehr.

9 Gedanken zu „Im Wundermarkt der Elektronik“

  1. Ich finde das erstaunlich, dass auf dem oberen Bild an jedem kleinen Stand ein Mensch sitzt. Das wäre in Deutschland auch undenkbar – und unbezahlbar.

  2. Jeder Stand ist ein Laden. Diese Elektronikmärkte gehören nicht einer Firma, sondern sind nur Handelsfläche für viele „kleine“ Firmen. Mit der Standgröße darf man sich aber nicht täuschen lassen. Wenn ein Lieferant beispielsweise Netzkabel fertigt, dann braucht er dafür nur einen kleinen Stand, um sie zeigen zu können. Die Fabrik ist ja woanders. Trotzdem kannst Du an einem 1,5m² – Stand im Zweifelsfall 10.000 Netzkabel kaufen.

  3. Mhhh Das ganze erinnert mich ein wenig an den Gorbuschka Markt in Moskau. Dort sind auch hunderte einzelne Händler in einem großen Gebäude untergebracht. Und man musste doch sehr aufpassen was man gekauft hat. Hab dort einige CD’s gekauft wo sich zu hause herausstellte das nicht das drin war was drauf stand (Das damals brandneue -in Deutschland noch nicht erhältliche- Rammstein Album „Liebe ist für alle da“ für umgerechnet 3 Euro… entpuppte sich Zuhause als drittklassige Russische Amateurmetalband die die Rammstein Songs auf eine extrem schlechte art und weise Nachgespielt hatten… )

  4. Jetzt weiß ich, warum China „Land des Lächelns“ heißt… bei mir wäre es allerdings ein breites Grinsen mit gleichzeitigem Sabbern…

  5. auf jeden fall, und vermutlich hätte man die dinger auch noch lustig programmeren können
    z.b.: bier her, bier her oder ich schalt ab :-D

  6. Ich bin von den Bilder total begeistert. Diese Auswahl ist unglaublich und das alles schön kompakt in einem einzigen Gebäudekomplex. So etwas würde ich mir für Deutschland wünschen!

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