Der Drops ist gelutscht

Im Rahmen des Konjunkturpakets wurden einige Dinge beschlossen, die in der allgemeinen Berichterstattung untergehen, für uns Veranstaltungstechniker aber absolute Relevanz haben. Wie beispielsweise der Plan, die ursprünglich ab 2015 angedachte Nutzung des UHF – Frequenzbands zum Aufbau von Breitbandinternetzugängen gerade in ländlichen Gebieten deutlich vorzuziehen. Dies soll jetzt schon in den nächsten Monaten geschehen. Bis spätestens Ende nächsten Jahres soll es diese Zugänge flächendeckend in der gesamten Bundesrepublik geben, bis Ende 2014 sollen 75% aller Haushalte einen Zugang von 50MBit haben. Zur Erinnerung: diesen Frequenzbereich nutzen wir bisher und eigentlich bis 2015 zugesichert für die Übertragungen mit Funkmikrophonen und Drahtlosinterkom. Da bin ich ja mal gespannt, wie sich das entwickelt. Das bedeutet eine sehr rasante Umstellung, wobei eigentlich noch niemand sagen kann, worauf man Umstellen soll, weil Nachfolgetechniken sich noch in der Entwicklungsphase befinden. Bisher haben digitale Übertragungstechniken noch zu hohe Latenzzeiten (Verzögerungen), um sie im Livebetrieb einsetzen zu können.

Ich bin ehrlicherweise gerade ein wenig entsetzt.

19 Kommentare zu “Der Drops ist gelutscht”

  1. Gerhard schreibt:

    Nicht nur du.

  2. Mad schreibt:

    Ich freu mich dann schon auf den ersten Politiker, der über das Kabel vom Mikro stolpert. Aber er kann ja dann über den Breitbandzugang von seinem Handy nachschauen, wie er die blauen Flecken wieder los bekommt.

  3. texec schreibt:

    In Anbetracht des Fortschritts bisheriger staatlicher (IT) Großprojekte würde ich mir da jetzt nicht so viele Sorgen machen. Man sollte sich stattdessen eher mit Bundesnetzagentur und entsprechenden Ausschüssen in Verbindung setzen um sich über das Problem nicht nur in Branchenkreisen und Fachpresse aufzuregen.

  4. Markus Sorger schreibt:

    Diese Kontakte gibt es ja. Angesichts der Tatsache, daß die Frequenzen jetzt kurzfristig an t-online, Vodafone & Co verkauft werden und die Millionen den Staatssäckel füllen sollen, hat die Stimme unserer Branche nur einfach kein Gewicht. Und da die Privatfirmen die Technik auch installieren sollen, teile ich Deinen Optimismus nicht.

  5. c-v schreibt:

    hmmm, wen die Frequenz bis Ende 2015 zugesichert war, aber jetzt nicht mehr nutzbar ist, muesste man doch (theoretisch) einen Schadenersatz feststellen lassen (und erhalten) – bloss bei wem, die Kfz-steuer wurde ja auch rueckwirkend erhoeht :/

    c-v

  6. u1amo01 schreibt:

    Ciao, Drahtlosmikros…

    Unsere heldenhaften Politiker haben es geschafft. Bereits in den nächsten Monaten soll damit begonnen werden, die Frequenzen, die aktuell für drahtlose Mikrofone genutzt werden, anderweitig freizugeben.

    Das wird ungeahnte Probleme mit sich bringen…

  7. bill schreibt:

    Wir hatten schon die überlegung einfach den Bereich für das W-LAN mit einem Analogen Signal zu benutzen. Nur würde das bedeuten das im 100 m Umkreis kein W-LAN mehr funktionieren würde.

    Nein wirklich, wenn das in Kraft tritt heißt das umstellen auf Kabel und damit wieder mehr Tapen vor einer Veranstaltung. Ein gutes kann ich dem ganzen aber abgewinnen: Kabel werden nicht so gerne geklaut wie Teile von Funkanlagen!

  8. Markus Sorger schreibt:

    Tatsächlich werden wir natürlich auch in Zukunft noch Drahtlosstrecken haben; allerdings mit deutlich mehr Aufwand und wahrscheinlich mit weniger möglichen Parallelstrecken. Bei Festinstallationen wie Musicals wird es wahrscheinlich noch relativ einfach: sie suchen sich einen freien Bereich, melden den bei der BNetzA für teuer Geld an und spielen dann. Sehr ärgerlich wird es im Touringgeschäft. Da wird man in jeder Stadt sein Setup komplett neu programmieren müssen. Ob das heißt, daß man dann zukünftig für jede Stadt eine neue Genehmigung braucht, wird man sehen. Das wäre auf jeden Fall recht teuer und aufwendig.

    Die Entwicklung bei der Hardware wird auf jeden Fall erst mal zu Geräten gehen, die einen deutlich breiteren Frequenzbereich als bisher nutzen können. Im Zweifelsfall bedeutet das, daß man dann wie früher abstimmbare Antennen braucht, um die optimal anpassen zu können.

    Die Entwicklung in Richtung 2,4GHz halte ich für unwahrscheinlich. Da ist einfach zu viel los und die gesetzlichen Vorgaben zu Bandbreite und Feldstärke sind ja auch eindeutig. Einfach W-LAN plattzuschießen ruft nur den Peilwagen auf den Plan und der ist sehr teuer.

    Tatsächlich werden wir bei „normalen“ Veranstaltungen irgendwie Lücken finden; mehr oder weniger legal. Großveranstaltungen hingegen, bei denen heute 100 oder mehr Funkstrecken parallel laufen, werden sicher zu einer kaum lösbaren Herausforderung.

  9. Christian schreibt:

    Und das nachdem gerade eine Studie in der BNetzA vorgestellt wurde, in der festgestellt wird: „Es gibt derzeit keine Alternative“.

  10. Christian schreibt:

    Im Übrigen habe ich gerade ein Deja Vu:

    Wurden nicht 2006 Frequenzbündel im 3.5GHz-Bereich (WiMAX) versteigert mit der Selbstverpflichtung der Auktionsgewinner, damit die Breitbandversorgung in ländlichen Gebieten sicherzustellen?
    Um es mal ganz deutlich zu sagen, das Ziel wurde maximal verfehlt…

    Wir als (immer schon) Sekundärnutzer der UHF-Frequenzen stehen natürlich hinten an, ein Blick über den Teich zeigt, daß die Amis genau so schwimmen wie wir, dort ist der Bereich ab 700MHz betroffen, so gesehen haben wir noch Glück gehabt.

    Im Übrigen ist dies keine Bundes- oder Länderentscheidung in der Sache, siehe EU-Parlamentarierin Erika Mann:
    http://erikamann.com/themen/telekommunikation/DigitaleDividende

    Man sieht also, es wird immer nur zwischen Öffentlich-rechtlichem Rundfunk, Privatem Rundfunk und Telekommunikationsanbietern vermittelt bzw. gekämpft. Wir kommen in der Diskussion seit Jahren überhaupt nicht vor, nicht mal als Kollateralschaden, welcher wir dann de facto sein werden.

    Ich verweise noch mal auf die o.G. Studie, sie kann bei der Bundesnetzagentur abgerufen werden (einfach eine nette email an Frau Rudolph).
    http://www.bundesnetzagentur.de/enid/5e4f0925ead50d2fb5512ab5cd64f2b5,0/Frequenzzuteilung__Antraege_und_Ausfuellhinweise_/Drahtlose_Funkmikrofon-Anwendungen_58t.html

  11. c-v schreibt:

    -Lan plaetten? Ohoh, das kann aber auch Aerger mit Fotografen geben, meine Verbndung Cam-Rechner zB arbeitet ueber Wlan, und wenn die nicht laeuft kann das richtig kosten (Verzoegerung, kein druck am naechsten Tag, anderer war schneller etc) :(

    c-v

  12. Christoph Roselius schreibt:

    Manches mal bin ich echt Froh das ich Rigger bin…

    Funk-Anschlagpunkte, das dauert noch mindestens so lange bis die entwikelt sind, da haben sich alle anderen Frequenzprobleme gelöst ;-)

    Ja schade für die Kollegen vom Ton, gerade die in der letzten Zeit noch Drahtlosstrecken angeschafft haben tun mir iwie schon leid!

    Man könnte das ganze natürlich auch aus einer anderen Sicht nämlich als Konjunkturpaket für drahtlos mikrofonhersteller sehn :-)

    Auch wenn ich Rigger bin finde ich sollche Diskusionen sehr interessant, auch vor einigen Wochen das Glühbirnenverbot, wobei sich da (mir erst später durch das VPLT magazin) erschlossen hat das es für unssere Branche nicht gilt, bei der Drahtlostechnik wird es wohl nicht so einfach werden!
    Ich lese auf jeden Fall weiter „bei euch tonis“ und bin gespannt was kommt / passiert…

    Herzliche Grüße
    Chris

  13. Robart schreibt:

    Ich bin mir nicht so sicher, ob das klappen würde. Die „großen“ Veranstalter können sich evt. noch mit neuer Technik (so sie verfügbar wäre) eindecken, aber die breite Masse der Hobbymusiker und kleinen Bands würden sich doch zweimal überlegen, sich neue Funkstrecken zu kaufen, ohne zu wissen, ob in ein paar Jahren vielleicht auch diese Frequenzen wieder gesperrt werden.

    Ich denk eher, dass sich um diese neue Regelung erstmal keiner kümmert und die Bands so weitermachen wie bisher. Funkstrecken im aktuellen Bereich werden dann halt nicht mehr hergestellt, aber die alten weiterverwendet. Wer schmeisst sein teueres Equipment einfach weg? Weiterverkaufen geht ja auch nicht…

  14. Markus Sorger schreibt:

    Die Krux der digitalen Senderei liegt darin, daß die recht breit senden und außerdem mit deutlich mehr Pegel, als die Drahtlosstrecken. Man kann ja jetzt schon bei den DVB-T – Sendern sehen, daß sie die Drahtlosmikrophonie im Nachbarband auch schon stören. Da wird der geneigte Musiker recht schnell erkennen, daß er da ein Problem hat.

    Die Beispiele aus UK und USA zeigen ja, daß es natürlich Lösungen gibt. Die wiederum haben aber eher mit Wildwuchs zu tun, als mit zuverlässigen Regelungen. Das kann eigentlich in niemandems Interesse sein.

  15. Robart schreibt:

    Dann kommen ein paar technisch versierte Leute und pimpen die Sendeleistung „ein wenig“. Das führt dann zum Frequenzkrieg…

  16. M-F schreibt:

    Ich freue mich auf Starlight Express mit Kabelmikros :-)

  17. Eva schreibt:

    Welche Frequenzen werden für diese erleuchtende Innovation genutzt werden?

    http://www.spiegel.de/netzwelt/mobil/0,1518,609030,00.html

  18. Markus Sorger schreibt:

    Dein Kommentar war — wie alle Kommentare mit Link — noch in der Moderation.

    Von diesem Projekt höre ich das erste Mal; da aber im Artikel steht, daß die Laternen mit SIM – Karten laufen, geht es hier um das herkömmliche Handynetz.

  19. Information zu ... - Nutzung der Funkfrequenzen im Entertainmentbereich - Freesoft-Board schreibt:

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