Riggingunfall in München

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Jedem Laien wird sofort klar sein, daß ein solches Bild kein schöner Anblick ist. Jedem Profi werden sich die Haare sträuben. Das Wichtigste vorweg: wie durch ein Wunder gab es keine wirklich ernsthaften Verletzungen. Beim Ablassen des Groundsupports brach die ganze Konstruktion zusammen.

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Da der ganze Vorgang noch ein schwebendes Verfahren ist, kann und möchte ich jetzt hier keine Einzelheiten erzählen. Jedenfalls stürzte die örtlich gestellte Konstruktion, über die zum Einleuchten noch Techniker gegangen waren, während des Herunterkurbelns in sich zusammen.

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Ihr könnt Euch vorstellen, daß an dem Abend selbst dann erst mal gar nichts mehr geschah. Am nächsten Tag, die auf der Bühne geplanten symphonischen Proben konnten verschoben bzw. verlegt werden, dann großes Meeting von Versicherungsmitarbeitern aller Beteiligten, Gutachtern, TÜV, Bauamt, eben allem, was dann so kommt. Ab 16:30 dann vorsichtiger Abbau, um nicht noch mehr Schaden zu verursachen. Mikado für Erwachsene. Angenehm in dieser insgesamt doch nicht schönen Situation war, daß bis auf eine Ausnahme alle Beteiligten sehr sachlich und lösungsorientiert waren.

Auch am heutigen Tage in Hamburg beschäftigte mich der Vorfall natürlich sehr. Auch wenn wir als Firma nicht Verursacher sind, so gehört uns doch erheblicher Teil des Materials (die vorderen beiden C1 – Genies, der Beamer, alle Lampen und der LED – Vorhang). Das gibt doch ein wenig Schreibkram.

Nachtrag 09-01-2009: die Photos mußten nach einem auf das Hausrecht begründeten eindeutigen Verbot der Veröffentlichung entfernt werden. Ich bitte um Euer Verständnis.

19 Gedanken zu „Riggingunfall in München“

      1. Hallo Markus,

        dieses Thema interessiert natürlich viele. Wir möchte gerne einen Artikel hierzu schreiben. Wir haben von SH schon Bilder und kurze Texte erhalten, möchten gerne auch auf Deinen Beitrag hier verlinken.

        Ich habe keine Mail adresse hier von Dir gefunden, deshalb der Hinweis hier in den Kommentaren.

        Du kannst Dich jederzeit gerne an mich wenden.

        Viele Grüße
        und Frohe Weihnachten

        Öhli

  1. erstmal gut, dass alle anwesenden wohl mit heiler haut davon gekommen sind….
    worauf stand der GS denn ….. ich seh keine metrischen bodenplatten o.ä. auf den fotos … die hinteren stufen scheinen auch nicht tief genug dafür zu sein…. bin gespannt, wann zum grund des unfalls was konkretes kommt (kann ja nur entweder an einem der Genies liegen, oder an falschem/schiefem ablassen….)

    schade um euer material & die nerven!

    1. Der Groundsupport stand auf Bodenplatten, die zum Zeitpunkt des Herablassens per Lifte aber schon abgebaut waren und deshalb hier nicht mehr zu sehen sind. Auch gab es ausreichend Standfläche für die Lifte. Ich selbst bin mir recht sicher, was den Unfallgrund angeht, möchte aber den Gutachten nicht vorgreifen, da zwar für mich der Grund feststeht, die Schuld aber nicht so einfach zu klären ist und es recht wahrscheinlich einen Rechtsstreit geben wird.

  2. glück gehabt das es keinen ernster verletzteren gab!!
    ich drück euch die daumen wegen dem verfahren und ich würd mich freuen wenn es nochmal einen beitrag geben würde wenn das verfahren durch ist. Also der Grund des zusammenbruchs würde mich interressieren da so ein rig ja nicht einfach so auseinanderbricht.

    grüße aus der Hauptstadt Des Ruhrgebiets ;-)

  3. Schöne Bescherung!

    Wünsche allen Lesern und Schreibern hier eine schönere Bescherung heute Abend!!!! Allen ein fröhliches Weihnachtsfest, ein guten Rutsch ins neue Jahr und ein erfolgreiches 2009.

    Und Dir Markus will ich an dieser Stelle für Deinen tollen Berichte – besonders für die Bühnenberichte (als Laie komme ich nur selten auf und hinter die Bühne!) – danken.

    1000 Grüße

    Ulrich

  4. Autsch.
    Wieviel Prozent des Materials was von euch da oben hing ist denn übern Jordan gegangen? Oder gibts da auch wundersame Berichte? Tut ja schon immer weh, wenn da so schöne Lampen oder der ganze LED-Vorhang durch sowas zerstört werden.

    Aber trotzdem ein schönes Weihnachtsfest auch allen anderen Mitlesern hier!
    Grüße
    Markus

    1. Zum Prozentsatz des Bruchs kann ich noch gar nichts sagen. Es gibt Material, das sehr eindeutig Schrott ist, anderes macht nur leicht komische Geräusche, wenn man es von Hand bewegt und wieder anderes Material ist augenscheinlich erst mal in Ordnung. Trotzdem kommt alles erst mal in die Wartung, weil ein MAC 700 beispielsweise nicht für solche „Bremswerte“ gebaut ist.

      1. „Bremswerte“ *gnihi* – ich mag Deine Art zu schreiben, selbst bei ernsten Themen ein Augenzwinkern, aber nicht laecherlich!

        An dieser Stelle schliesse ich mich auch Ulrich an – danke fuer Deine Backstage-Blicke, ich freue mich auf ein ebenso spannendes 2009!

        c-v

  5. Schlimm ! Gottseidank ist wohl niemand ernsthaft zu Schaden gekommen. Das wünscht man keinem und ich möchte so etwas wirklich niemals selbst erleben müssen. Wenn Du mal etwas dazu sagen darfst, würde mich die Unfallursache sehr interessieren. Wenn es etwas gutes daran gibt, dann daß man daraus lernen kann. Weiterhin fröhliche Weihnachten und danke für den spannenden Blog,

    Henning

  6. Unschön! Schuldfrage und ursache hin oder her, gibt es hier sicher einige Leute mit ahnung, die sich denken können wie so etwas passiert…
    Und wenn ich dann darüber nachdenke wie einige (auch Große u. Bekannte Firmen solche Groudsupport Konstruktionen OHne sleevs als NICHT Roof-top system aufbauen bekomme ich um so mehr angst,
    Ihr habt sicherlich alle Normen und Vorschriften sowie denn Stand der technik eingehalten, aber wieviele Leute bauen sowas mit Montageliften, oder einfachen Eventelevators made in China…

    Ersteinmal für Dich und die Kollegen die dort zum einleuchten Rübergegangen sind, freut mich das niemanden etwas passiert ist!

    Zum Zweiten, natürlich ein wenig ärgerlich für dich wegen der schreibarbeit, aber du bist das schreiben ja gewöhnt *Ironie*….

    Viel Glück & Herzliche Grüße
    Chris

  7. hi markus

    mich würde wunder nehmen, ob es news zu dem unfall gibt, die veröffentlich werden dürfen. ist ja nun doch schon ein weilchen her und das versicherungsverfahren könnte abgeschlossen sein.

    grüsse aus der schweiz
    felix

  8. Bin gerade mal wieder über den Artikel gestolpert, was kam denn dabei raus?

    Und gibts nicht doch Bilder?

  9. Nun …… rechtlich ein Vergleich mehrerer Beteiligter.

    Sachlich kann man sagen, daß Gutachten sich nicht unbedingt an geltendem Recht orientieren müssen. Es gab da …… interessante …… Ansichten. So war ein Gutachter beispielsweise der Meinung, daß ein Bühnenvorstand nur dann anwesend sein müsse, wenn Publikum da sei; Auf- und Anbau gingen den Bühnenvorstand nichts an. Das Wort „Betreiberhaftung“ schien damals auch noch nicht jeder gehört zu haben. Allerdings hat sich in den Köpfen der Leute in den letzten vier Jahren sicher einiges getan (hoffe ich zumindest).

    Zum grundsätzlichen Ablauf: unsere Firma war Auftragnehmer des Produzenten. Der wiederum hatte die Tour an einen Tourneeveranstalter verkauft, der dann die einzelnen Termine an örtliche Veranstalter verkaufte. Die örtlichen Veranstalter buchten dann die Halle. Als Technikdienstleister hatten wir einen Freelancer als TL auf der Tour. Und weil man in der Halle nicht riggen konnte, bestellte der Örtliche bei einem eingeborenen Dienstleister noch einen Groundsupport. Allein dieses Vertragskonstrukt, für uns Alltag, überforderte schon den ein oder anderen Bearbeiter des Falls.

    Die Tourproduktion verschickte einen genauen Riggingplan für geflogene Shows mit Gewichtsangaben über den Tourveranstalter an die Örtlichen. Weil in der Halle riggen nicht möglich war, bestellte der Örtliche dann, wie schon geschrieben, bei einem örtlichen Dienstleister eine Groundsupport – Trussbox — die natürlich die geforderten Lasten aufnehmen sollte. Beim Aufbau war dann nur ein Mitarbeiter des örtlichen Dienstleisters da, der den Support zusammen mit „unseren“ Helfern versuchte aufzubauen. Dabei stellte sich heraus, daß schon zu wenig Genies mit dabei waren. Der TourTL stellte zwei Genies als zusätzliche Hilfe zur Verfügung.

    Das Material machte schon beim Aufbau keinen sehr vertrauenswürdigen Eindruck, obwohl es quasi fabrikneu war. Aus diesem Grund ließ sich der TourTL die Belastbarkeitsgraphiken des Materials zeigen. Aufgrund des Zeitdrucks (der Groundsupport war bei geplantem Aufbaubeginn der Produktion noch unten im LKW und nicht fertig auf Arbeitshöhe gebaut) erfolgte die Prüfung nur oberflächlich, sodaß nicht auffiel, daß die Graphik nicht zum Material paßte (andere Materialstärke; nicht 4mm laut Graphik, sondern real nur 2mm; bei gleicher Traversenkonstruktion). Der TourTL entschied sich, Lampen zu streichen, damit sich die Traversenstrecke weniger durchbiegt, obwohl laut (falscher, vom örtlichen Dienstleister vorgelegter) Graphik alles hätte passen müssen. Ein Verantwortlicher der Halle, oder ein kompetenter Ansprechpartner des Örtlichen war zu keiner Zeit des Aufbaus zugegen.

    Man baute also auf, drückte den Support mit eingehangenem Material nach oben, spielte die Show und wollte wieder Abbauen. Beim Abbau waren die Helferbüblein trotz Ansage nicht in der Lage, die Genies gleichmäßig abzulassen, das Rigg verzog sich regelmäßig, es mußte oft angehalten und ausgeglichen werden. Bei einer dieser Anhaltaktionen schwang das Rigg zu stark und so brach die Fronttruss mittig an der Stelle, an der der Beamer (XT-5) hing und zog natürlich den kompletten Rest mit sich. Der Groundsupport brach in sich zusammen.

    Sooooo … wer ist schuld ? Der Betreiber der Halle (Betreiberhaftung) ? Der örtliche Dienstleister, dessen Material da hing, der eine falsche Graphik vorlegte und die Lastangaben des Produktionsriggingplans nicht berücksichtigte ? Oder der TourTL, der sein Material dort hineinhing(en lies) ?

    Wir alle wissen, daß man natürlich bei solchen Diskussionen in den Foren gern sagt: da gehe ich nach Hause, da fällt die Show eben aus, bla. Aber wir wissen ehrlicherweise auch, daß Shows nicht ausfallen. Tatsächlich ist es aber so, daß man als TourTL erstmal als erstes in der Schußlinie steht, wenn man eine örtlich angebotene Konstruktion annimmt. Betreiberhaftung hin oder her. Das sollte man nie vergessen.

  10. Ach so … und Bilder sind tatsächlich schwierig. Der Betreiber hat übers Hausrecht die Veröffentlichung jeglicher Bilder des Unfalls untersagt. Tut mir leid.

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