{"id":980,"date":"2007-10-16T18:29:04","date_gmt":"2007-10-16T16:29:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tour-blog.de\/?p=980"},"modified":"2010-10-16T18:25:08","modified_gmt":"2010-10-16T16:25:08","slug":"die-graber-aus-paestum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tour-blog.de\/?p=980","title":{"rendered":"Die Gr\u00e4ber aus Paestum"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><a title=\"Ausstellung \" href=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2007\/10\/Paestum\/Paestum%2001%203000.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" title=\"Die Ausstellung \" src=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2007\/10\/Paestum\/Paestum%2001%20700.jpg\" alt=\"Die Ausstellung \" width=\"700\" height=\"312\" \/><\/a><\/p>\n<p>Seit wenigen Tagen erst ist im <a title=\"Bucerius Kunstforum\" href=\"http:\/\/www.buceriuskunstforum.de\" target=\"_blank\">Bucerius Kunstforum<\/a> am Rathausmarkt Hamburg eine hochinteressante Ausstellung \u00fcber die Gr\u00e4ber aus der lukanischen Zeit <a title=\"Paestum bei Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paestum\" target=\"_blank\">Paestum<\/a>s zu sehen. Diese Ausstellung ist insoweit eine Sensation, als da\u00df die Gr\u00e4ber in dieser Form noch nie irgendwo ausgestellt wurden. Im heimatlichen Paestum sind die einzelnen Platten zwar auch teilweise zu sehen, aber nie im kompletten Kontext. Nur durch den Umstand, da\u00df das Bucerius Kunstforum fr\u00fcher mal eine Filiale der Bundesbank war und dadurch der Boden aus 5m dickem Stahbeton besteht, k\u00f6nnen die tonnenschweren Grabplatten so zusammengestellt werden, wie sie urspr\u00fcnglich mal im Erdboden gefunden wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img title=\"Grab aus Paestum\" src=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2007\/10\/Paestum\/Paestum%2002.jpg\" alt=\"Grab aus Paestum\" \/><\/p>\n<p>Au\u00dferdem lernt man, da\u00df S\u00fcditalien im 8. Jahrhundert vor Christus durch die Griechen besiedelt wurde, jene von den Lukanern (einem norditalienischen Stamm mit der damaligen Sprache aus dem Donaubereich, Oskisch) im 4. Jahrhundert v.C. verdr\u00e4ngt wurden, bevor die R\u00f6mer im 2. Jahrhundert v.C. die Macht \u00fcbernahmen. Ich bin ja ehrlich, von den Lukanern hatte ich bisher nie etwas geh\u00f6rt, was auch nicht weiter verwunderlich ist, weil selbst Wissenschaftler bis in die 50er Jahre hinein nichts von ihnen wu\u00dften.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" title=\"Grab aus Paestum\" src=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2007\/10\/Paestum\/Paestum%2003.jpg\" alt=\"Grab aus Paestum\" width=\"700\" height=\"525\" \/><\/p>\n<p>Paestum selbst war viele Jahrhunderte vergessen. Es wurde je nach Quelle im 7. bis 11. Jahrhundert nach Christus aufgegeben, da die immer schlechter gewarteten Viadukte der R\u00f6mer die Landschaft versumpfen lie\u00dfen und wahre Moskitoplagen das Land befielen. Erst im 18. Jahrhundert fand man die eigentlich un\u00fcbersehbar gro\u00dfen Tempelanlagen der Griechen &#8222;zuf\u00e4llig&#8220; wieder, was zeigt, da\u00df es dort wirklich sehr ungem\u00fctlich gewesen sein mu\u00df. Bis zum Fund der lukanischen Gr\u00e4ber sollten aber noch einmal 200 Jahre vergehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" title=\"Grab aus Paestum\" src=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2007\/10\/Paestum\/Paestum%2004.jpg\" alt=\"Grab aus Paestum\" width=\"700\" height=\"485\" \/><\/p>\n<p>Mit Ausnahme des obigen Kindergrabes (man sieht, auch vor 2.400 Jahren machte ein Kindertod die Menschen sprachlos), hatten die Gr\u00e4ber \u00fcber die Jahre der lukanischen Zeit hinweg immer die gleichen Symbole und Zeichen. Gerade durch diese Uniformit\u00e4t der Gr\u00e4ber lassen sich besonders gut die individuellen Eigenheiten des Begrabenen feststellen, weil die Malereien eben nur in kleinen Detail voneinander abweichen und diese Variation dann eben wichtig sein mu\u00df. Auch l\u00e4\u00dft sich sehr gut erkennen, wie sehr sich die Kunst der Malerei in dieser Zeit ver\u00e4ndert hat. Von einfachen platten Zeichungen entwickelte sich die Kunst in 200 Jahren zu Bildern mit guter r\u00e4umlicher Darstellung und reichem Licht\/Schatten &#8211; Spiel.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img title=\"Grab aus Paestum\" src=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2007\/10\/Paestum\/Paestum%2005.jpg\" alt=\"Grab aus Paestum\" \/><\/p>\n<p>Beachtlich ist, da\u00df die Gr\u00e4ber und Malereien innerhalb k\u00fcrzester Zeit entstehen mu\u00dften. Anders als bei den \u00c4gypern wurde nicht balsamiert, anders als es uns heute der <a title=\"Bestatterweblog\" href=\"http:\/\/www.bestatterweblog.de\/\" target=\"_blank\">Undertaker<\/a> erz\u00e4hlt, konnte man noch nicht k\u00fchlen. Das hei\u00dft im Klartext, da\u00df die Gr\u00e4ber innerhalb von 24 bis seltener 48 Stunden ausgehoben, mit den vier Sandsteinplatten ausgekleidet (jede bis zu zwei Tonnen schwer), mit wei\u00dfer Farbe grundiert und bemalt wurden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" title=\"Grab aus Paestum\" src=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2007\/10\/Paestum\/Paestum%2006.jpg\" alt=\"Grab aus Paestum\" width=\"500\" height=\"667\" \/><\/p>\n<p>Die Lukaner glaubten an ein Leben nach dem Tod; das erz\u00e4hlen uns die reichlich vorhandenen Symbole f\u00fcr Ewigkeit und auch die Grabbeigaben, auf die ich sp\u00e4ter noch einmal zur\u00fcckkommen werde. Nach dem Tod traten die Menschen in eine andere Welt ein. Die Gr\u00e4ber jedoch wurden mit zwei Sandsteinplatten verschlossen und mit Erde \u00fcbersch\u00fcttet, so da\u00df Grabh\u00fcgel entstanden. Im Laufe der Jahrhunderte f\u00fcllten sich die Zwischenr\u00e4ume des <a title=\"Erkl\u00e4rung eines Nekropole bei Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nekropole\" target=\"_blank\">Nekropole<\/a>s mit Erde, so da\u00df erst viel sp\u00e4ter ein Bauer beim Pfl\u00fcgen wieder auf die Gr\u00e4ber stie\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img title=\"Grab aus Paestum\" src=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2007\/10\/Paestum\/Paestum%2007.jpg\" alt=\"Grab aus Paestum\" \/><\/p>\n<p>Aus den Malereien lassen sich auch Details aus dem Alltagsleben erkennen. So waren die Lukaner ein kriegerisches Volk. Der Mann war der K\u00e4mpfer, die meisten starben im Kampfe. Der Frau war es auferlegt, sich um Haushalt und Haustiere zu k\u00fcmmern. Kinder hatten einen hohen Wert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img title=\"Grab aus Paestum\" src=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2007\/10\/Paestum\/Paestum%2008.jpg\" alt=\"Grab aus Paestum\" \/><\/p>\n<p>Auch die gesellschaftliche Stellung der Menschen ist anhand der Zeichnungen zu erkennen; ebenso die Mode- und MakeUp &#8211; Entwicklung bei den Lukanern, oder die Art der gebrauchten Musikinstrumente.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img title=\"Grab aus Paestum\" src=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2007\/10\/Paestum\/Paestum%2009.jpg\" alt=\"Grab aus Paestum\" \/><\/p>\n<p>Hier noch mal ein Kindergrab. Sehr sch\u00f6n gef\u00e4llt mir, da\u00df der Vater dem Kind auf der Zeichnung hilft, den Weg in die Ewigkeit zu finden, damit es nicht verloren geht, sondern in Frieden weiterleben kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" title=\"Grab aus Paestum\" src=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2007\/10\/Paestum\/Paestum%2010.jpg\" alt=\"Grab aus Paestum\" width=\"700\" height=\"379\" \/><\/p>\n<p>Neben den lukanischen Gr\u00e4bern gab es in Paestum auch einige Gr\u00e4ber aus griechischer Zeit. Diese unterschieden sich allerdings in der Bauform; der Deckel besteht hier aus einer plan aufgelegten Platte und nicht aus zwei im Winkel zueinander stehenden Platten. Im Gegensatz zu den lukanischen Deckenplatten sind die griechischen Platten bemalt. Hier sieht man eine Platte aus griechischer Zeit, auf der der Tote in das neue Leben eintaucht, wie ein Turmspringer ins Wasser.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" title=\"Grabbeigabe eines lukanischen Grabes in Paestum\" src=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2007\/10\/Paestum\/Paestum%2011.jpg\" alt=\"Grabbeigabe eines lukanischen Grabes in Paestum\" width=\"700\" height=\"404\" \/><\/p>\n<p>Neben Knochenresten fand man in den Gr\u00e4bern diese aufwendig bemalten T\u00f6pereien; die wichtigsten Gef\u00e4\u00dfe, die man nach dem Tod im ewigen Leben brauchte, wurden mitgegeben, damit man unbeschwert leben kann und es an nichts mangelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" title=\"Tempel in Paestum\" src=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2007\/10\/Paestum\/Paestum%2012.jpg\" alt=\"Tempel in Paestum\" width=\"700\" height=\"473\" \/><\/p>\n<p>Als man Paestum in der Mitte des 18. Jahrhunderts wieder entdeckte, war die Begeisterung bei den Kulturinteressierten gro\u00df. Viele Maler reisten dorthin, weil es \u00fcber 2.000 Jahre alte Tempel in gutem Zustand gab \u2014 ein sehr beliebtes Motiv. Bis heute ist es so, da\u00df es nirgends so gut erhaltene griechische Tempel wie in Paestum gibt; auch nicht in Griechenland.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" title=\"Skizze eines Tempels aus Paestum\" src=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2007\/10\/Paestum\/Paestum%2013.jpg\" alt=\"Skizze eines Tempels aus Paestum\" width=\"700\" height=\"456\" \/><\/p>\n<p>Dieser gro\u00dfen Begeisterung ist es zu verdanken, da\u00df man heute noch genauestens \u00fcber den Zustand der Tempel und des Gel\u00e4ndes zum Zeitpunkt des Fundes informiert ist. Einzelne K\u00fcnstler verewigten b\u00fccherweise Zeichnungen und Skizzen der Bauwerke, was heutigen Forschern erm\u00f6glicht, die Zerst\u00f6rungen der letzten 250 Jahre zu erkennen. Gerade die vielen Touristen sind da wohl nicht ganz unschuldig, da die Tempel bis vor wenigen Jahren frei begehbar waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" title=\"Skizze eines Tempels aus Paestum\" src=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2007\/10\/Paestum\/Paestum%2014.jpg\" alt=\"Skizze eines Tempels aus Paestum\" width=\"700\" height=\"402\" \/><\/p>\n<p>Durch die unterschiedlichen Stile und Perspektiven der verschiedenen Maler entsteht so ein sehr genaues Bild Paestums zum Zeitpunkt des Fundes.<\/p>\n<p>Ihr seht, die Ausstellung ist umfangreich, interessant und wirklich besuchenswert. Der Eintritt betr\u00e4gt 5,00\u20ac f\u00fcr erwachsene Besucher, f\u00fcr 2,00\u20ac gibt es einen Audioguide, den ich empfehlen kann. Euch viel Spa\u00df bei Eurem Besuch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit wenigen Tagen erst ist im Bucerius Kunstforum am Rathausmarkt Hamburg eine hochinteressante Ausstellung \u00fcber die Gr\u00e4ber aus der lukanischen Zeit Paestums zu sehen. Diese Ausstellung ist insoweit eine Sensation, als da\u00df die Gr\u00e4ber in dieser Form noch nie irgendwo ausgestellt wurden. 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