{"id":938,"date":"2007-09-14T14:46:27","date_gmt":"2007-09-14T12:46:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tour-blog.de\/?p=938"},"modified":"2009-07-19T18:17:08","modified_gmt":"2009-07-19T16:17:08","slug":"warum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tour-blog.de\/?p=938","title":{"rendered":"Warum ?"},"content":{"rendered":"<p>Gute Frage: warum wird man eigentlich Veranstaltungstechniker und nicht F\u00f6rster oder Optiker ?\u00a0  F\u00f6rster wollte ich als Kind unbedingt werden. Ich hatte irgend einen Gro\u00dfonkel, den besuchten wir mal und ich war so von gr\u00fcner Uniform und vor allem von den Jagth\u00f6rnern fasziniert, da\u00df ich das unbedingt werden wollte. Unbedingt. Zum \u00dcben bin ich dann beim n\u00e4chsten Karneval als F\u00f6rster gegangen. Immerhin. Die Faszination hielt aber nur endlich. Optiker sollte ich werden und das lag ja auch auf der Hand. Mein Vater hatte einen eigenen und zu diesem Zeitpunkt gut gehenden <a title=\"Optik Sorger\" href=\"http:\/\/www.optik-sorger.de\/\" target=\"_blank\">Laden<\/a>; den zu \u00fcbernehmen w\u00e4re sinnvoll gewesen, so machte ich dann auch eine Optikerlehre bei <a title=\"Optiker Abt\" href=\"http:\/\/www.optiker-abt.de\" target=\"_blank\">Duisburgs renomiertestem Optiker<\/a> und sp\u00e4ter auch meine Meisterpr\u00fcfung. Da war ich aber schon lange infiziert, denn nebenher machte ich das, was ich eigentlich machen wollte: Tontechnik.<\/p>\n<p>Musik spielte in meinem Leben immer eine Rolle, mit sechs bekam ich Klavierunterricht; und wenn ich auch nicht die Ausdauer hatte, wirklich gut zu spielen (Selbstdisziplin ist nicht meine St\u00e4rke), so war mein Klavier doch ein treuer Begleiter. Von Elektronik war ich auch fasziniert und das ausdauernder, als vom F\u00f6rsterberuf. Da war die Kombination von beidem doch eine logische Konsequenz. Die notwendige Spielwiese bot mir jemand, der die ersten Jahre deutlich pr\u00e4gen sollte: <a title=\"Leo Schuhen\" href=\"http:\/\/www.bistum-essen.de\/66+M518cde8908d.html\" target=\"_blank\">Leo Schuhen<\/a>. Der war weit \u00fcber die Duisburger Grenzen hinweg bekannter Chorleiter und wirkte in der Nachbargemeinde. Als Achtj\u00e4hriger nahmen mich meine Eltern mit zu einem Weihnachtssingen dort; das war der Grundimpuls. Leo Schuhen war seit Anfang der sechziger Jahre einer der Begr\u00fcnder des &#8222;Neuen Geistlichen Lieds&#8220;; die von ihm gestalteten Gottesdienste waren nicht der 593. Abklatsch aus dem Gotteslob (Gesangbuch der katholischen Kirche), sondern mitrei\u00dfende Messen mit gro\u00dfem Chor, Orchester und, genau, Combo. Das was heute in den Gemeinden Deutschlands als &#8222;Jugendgottesdienst&#8220; durchgeht, ist ein billiger Abklatsch dessen, was dort gestaltet wurde. In den Chor wollte ich auch. Und nach langem Quengeln erlaubten es mir meine Eltern. Ich glaube, da\u00df diese Entscheidung mein Leben grundlegend pr\u00e4gte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" style=\"margin-left: 10px\" title=\"Atmosph\u00e4re bei der Aufnahme zu Brot, Brot, Brot; Copyright: unbekannt\" src=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2007\/09\/Brot\/Brot.jpg\" alt=\"Atmosph\u00e4re bei der Aufnahme zu Brot, Brot, Brot; Copyright: unbekannt\" width=\"300\" height=\"692\" align=\"right\" \/>Bereits ein halbes Jahr sp\u00e4ter war ich Teil einer ersten Plattenaufnahme (&#8222;Brot, Brot, Brot&#8220;, ASS 8-5096, die es bis heute f\u00fcr ganze 6\u20ac <a href=\"http:\/\/www.edition-werry.de\/verlag\/musik.htm\" target=\"_blank\">zu kaufen<\/a> gibt). Obwohl ich damals erst neun Jahre alt war, kann ich mich noch sehr genau an diesen knallhei\u00dfen Sommertag erinnern, an die Atmosph\u00e4re bei der Aufnahme in der extra f\u00fcr diesen Zweck umgebauten Kirche in Ungelsheim, an die Technik, die \u00fcberall hing und stand, an die Kabel \u00fcberall. Ich war von beidem schwer beeindruckt: ein Teil eines vielleicht 400 Mann starken Chores zu sein und die Technik zu erleben, die eine solche Aufnahme zu einer richtigen, echten, eigenen Schallplatte erm\u00f6glichte. Der Moment, als ich ein paar Wochen sp\u00e4ter <em>mein<\/em> Exemplar in die Hand gedr\u00fcckt bekam, war sehr erhebend. Da\u00df ich ein v\u00f6llig unbedeutender Teil der Aufnahme war, kam mir nicht in den Sinn; ich war stolz wie Oskar.<\/p>\n<p>Dazu kam die Tatsache, da\u00df ich Musik erlebte, die es zuhause nicht zu h\u00f6ren gab: moderne Musik mit Schlagzeug, E &#8211; Gitarren und Ba\u00df. Mein Vater h\u00f6rte ausschlie\u00dflich Klassik, meine Mutter Volksmusik (also echte Volksmusik, keine volkst\u00fcmliche) und ab und an ein paar Schlager. Es sollten im Laufe der Zeit noch ein paar Plattenaufnahmen dazukommen (die es heute allerdings alle nicht mehr gibt). Dabei war die Faszination immer gleich hoch und ich wollte das unbedingt auch k\u00f6nnen: selber Platten machen.<\/p>\n<p>Auch wenn meine Fortschritte am Klavier nicht wirklich \u00fcberragend waren, ich sp\u00e4ter die Lust daran verlor und auf &#8222;coolere&#8220; Instrumente wie Gitarre und Ba\u00df umschwenkte: der Chorleiter versucht, alle immer mit ihren F\u00e4higkeiten zu integrieren. Und so spielte ich im Laufe der Jahre durchaus viele Gottesdienste an E-Orgel, E-Gitarre und E-Ba\u00df. An letzterem wurde ich sogar sowas wie eine Stammbesetzung und schaffte es, ich glaube es war 1984, bis in den Abschlu\u00dfgottesdienst des Katholikentages in M\u00fcnchen. Es k\u00f6nnen nicht viele Musiker von sich behaupten, im ausverkauften Olympiastadion gespielt zu haben. Letztlich war die Musiziererei aber eher Mittel zum Zweck: ich wollte die Technik auf- und abbauen, wollte sie verstehen, verbessern, damit arbeiten.<\/p>\n<p>Genau das wurde mein Job. Immer wenn es einen Gottesdienst zu spielen gab war ich derjenige, der die erforderliche Technik handelte. Nebenher k\u00fcmmerte ich mich auch um die Kinder- und Jugenddisko im Keller des Pfarrheims, baute Lichtorgeln selbst, Mischpulte, l\u00f6tete Kilometer an Kabeln. Das war meine Welt und man lies mich gew\u00e4hren, unterst\u00fctzte mich sogar. Schule, Lehre und sp\u00e4ter die regul\u00e4re Arbeit: ja, es gab sie, aber sie waren in meinen Gedanken nie wirklich wichtig. Als junger Erwachsener, ich mischte mittlerweile die ein oder andere lokale Band, kaufte ich mir ein eigenes Pult (Mitec EX 40-8-2; aus heutiger, professioneller Sicht nat\u00fcrlich kein dolles Pult, aber als Amateur ein echter Traum), modifizierte es mit rauscharmen ICs und traffosymetrierten Ausg\u00e4ngen, hatte eine eigene kleine PA (EV 15-3 mit aktiv gesplitteten 18er B\u00e4ssen) mit allem, was da so zugeh\u00f6rte. Und mit meiner Band ein kleines, in den Kellern des Pfarrheims eingebautes Studio mit mehreren R\u00e4umen, richtigem Noppenschaum (und keine Eierkartons) an den W\u00e4nden. Ich fuhr erste kleine Touren. All dies lief aber parallel zu meiner Optikerei.<\/p>\n<p>Irgendwann kam der Bruch. Ich konnte einfach nicht mehr irgendwelchen Omas ihre Brillen verkaufen. Mir fiel es zunehmend schwerer, all den Schwachsinn, den man sich als Verk\u00e4ufer anh\u00f6ren mu\u00df, freundlich zu ertragen. Mein Privatleben war eine Katastrophe. Ich mu\u00dfte raus. Ich segelte. Lange.<\/p>\n<p>Gro\u00dfseglersegeln ist eine hervorragende Sache. Es macht wirklich Spa\u00df und es holt einen in die Welt zur\u00fcck. Vielleicht, weil man ganz oft au\u00dferhalb der Welt, irgendwo auf dem Wasser, lebt. Und danach stand der Entschlu\u00df fest: keine Optik mehr, nur noch Technik. Den Entschlu\u00df habe ich nie bereut.<\/p>\n<p>Nun fragt Ihr Euch wahrscheinlich: warum zum Teufel erz\u00e4hlt der Sorger uns das ?\u00a0  Der Grund ist einfach: vor ein paar Wochen wurde Leo Schuhen, der Mann, dem ich im Grunde meinen jetzigen Beruf verdanke, 80 Jahre alt. Ich habe den Kontakt seit 12 Jahren verloren, er wurde pensioniert, ich zog nach Hamburg und so wurde ich nat\u00fcrlich auch nicht eingeladen. Aber \u00fcber Umwege erreichte mich die Nachricht doch. Ich nahm mir vor, mal die alten Platten herauszukramen und sie zu h\u00f6ren. Das tat ich vor zwei Wochen; ausf\u00fchrlich. Und ich war tief ber\u00fchrt davon, wie stark die Erinnerungen daran noch sind, wie sehr mich diese Musik gepr\u00e4gt hat und wie sehr ich sie bis heute mag.<\/p>\n<p>Damit Ihr mich ein wenig verstehen k\u00f6nnt, wollte ich  die oben bereits erw\u00e4hnte Schallplatte &#8222;Brot, Brot, Brot&#8220; hier zumindest in Teilen h\u00f6rbar machen. Leider reagierte die <a title=\"Edition Werry\" href=\"http:\/\/www.edition-werry.de\/\" target=\"_blank\">Edition Werry Verlagsgesellschaft<\/a> trotz mehrfacher Anfrage gar nicht, so da\u00df ich nun den Artikel mit nur kurzen Schnipseln einstellen kann. Die Aufnahme ist von 1974; das werdet Ihr nat\u00fcrlich merken. Aber \u00fcberlegt mal, wie es heute so zugeht in Euren Kirchen.<\/p>\n<p>An dieser Stelle ganz herzlich gratulieren m\u00f6chte ich auch Leo Schuhen. Ich wei\u00df, da\u00df ich nicht der Einzige bin, dessen Leben Sie ganz deutlich in Richtung Musik gepr\u00e4gt haben. Danke daf\u00fcr und Ihnen alles Gute.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gute Frage: warum wird man eigentlich Veranstaltungstechniker und nicht F\u00f6rster oder Optiker ?\u00a0 F\u00f6rster wollte ich als Kind unbedingt werden. 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