{"id":4454,"date":"2017-07-08T14:02:52","date_gmt":"2017-07-08T13:02:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tour-blog.de\/?p=4454"},"modified":"2017-07-08T14:02:52","modified_gmt":"2017-07-08T13:02:52","slug":"g20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tour-blog.de\/?p=4454","title":{"rendered":"G20"},"content":{"rendered":"<p>In meiner geliebten Heimatstadt geschehen gerade an diesem Wochenende so viele unglaubliche Dinge, da\u00df ich dar\u00fcber meine Meinung rauslassen mu\u00df. Ganz grunds\u00e4tzlich halte ich Treffen wie G7\/G8\/G20 f\u00fcr eine wichtige Institution. Nur mit Dialog kommt man weiter und f\u00fcr Dialog mu\u00df man sich auch treffen. Manche Kritik an diesen Treffen kann ich nachvollziehen, manche Regierung ist demokratisch nicht legitimiert, manche Themen w\u00fcrde ich anders gewichten, trotzdem bleibt dieses Treffen ein Ort des Gespr\u00e4chs und damit wertvoll. Was daraus hier nun gemacht wurde, ist allerdings so unglaublich daneben, da\u00df ich es nicht fassen kann.<\/p>\n<p>Die erste Frage, die sich mir stellt ist, ob die Gr\u00f6\u00dfe des Treffens in dieser Form tats\u00e4chlich zielf\u00fchrend ist. Tausende Menschen in den Delegationen, tausende Journalisten, zehntausende Dienstleister. Zwei Nummern kleiner w\u00e4re in meinen Augen angemessener gewesen. Es w\u00e4re dann wahrscheinlich eher zu Gespr\u00e4chen unter den F\u00fchrenden gekommen als nun, wo mehr repr\u00e4sentiert als wirklich geredet wird, die wirklichen Gespr\u00e4che den Sherpas, wie Frau Merkel sie gestern Abend nannte, \u00fcberlassen wird.<\/p>\n<p>Die zweite Frage ist, ob ein solches Treffen mitten in der Innenstadt von Hamburg schlau ist. Ehrlicherweise ist das keine Frage. Es war unschlau. Ich wei\u00df gar nicht, wie man auf das schmale Brett kommen kann zu glauben, ein solches Treffen inmitten Hamburgs abhalten zu k\u00f6nnen. Die Belastung f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung, denn direkt neben dem G20 &#8211; Zentrum wohnen ja zehntausende Menschen, ist ehrlicherweise unertr\u00e4glich. Damit meine ich nicht nur die bis zu neun Helikopter, die 24h\/d \u00fcber einem kreisen und die den Schlaf doch deutlich st\u00f6ren. Damit meine ich vor allem das komplette Zusammenbrechen von Infrastruktur. Stra\u00dfen sind weitr\u00e4umig gesperrt, Busse fahren dadurch nicht, U- und S-Bahnen fahren eingeschr\u00e4nkt, Schulen und Kinderg\u00e4rten schlie\u00dfen, Gesch\u00e4fte sowieso. Man kommt teilweise nach der Arbeit stundenlang nicht nachhause und wenn man dann dort ist, darf man Fenster nicht \u00f6ffnen und auf den Balkon schon gar nicht. Dazu kommt, da\u00df das Treffen in direkter Nachbarschaft eines linksalternativen Viertels stattfindet, in dem man solche Einschr\u00e4nkungen doppelt doof findet. Das alles h\u00e4tte man als planender Politiker wissen k\u00f6nnen, wissen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Und so erleben wir ein Zusammenprallen von Polizei auf der einen und Demonstranten, unterwandert von Vandalen, auf der anderen Seite. Beide Seiten machen dabei keine gute Figur. Um es freundlich zu formulieren.<\/p>\n<p>Ich halte Demonstrationen f\u00fcr wichtig. Sie sind ein ganz grundlegender Teil unseres Demokratieverst\u00e4ndnisses. Jedes Behindern von Demonstrationen ist ein Untergraben unseres staatlichen Selbstverst\u00e4ndnisses. Diese Behinderung erfolgt leider von allen Seiten. Zum einen durch gesch\u00e4tzt 800 bis 1.000 Arschl\u00f6cher, die im Schutze friedlicher Demonstranten ihr zerst\u00f6rerisches Werk vollbringen. Und zum anderen durch eine Polizei, die hier so daneben agiert, da\u00df Putin und Erdogan sich bestimmt freuen, weil jede Kritik an ihrem Vorgehen zuhause demn\u00e4chst mit einem Verweis auf Hamburg abgeschmettert werden kann. Man kann zusammenfassend sagen, da\u00df die Polizei gro\u00df aufspielt, wenn es um nichts geht und feige den Schwanz einzieht, wenn es zu Problemen kommt. Das was ich in den letzten Tagen hier mit eigenen Augen gesehen und im Gespr\u00e4ch von Freunden \u00fcber deren pers\u00f6nliche Erlebnisse geh\u00f6rt habe, l\u00e4\u00dft mich ausschlie\u00dflich Verachtung f\u00fcr die Polizei empfinden. Da werden Protestcamps mit Gewalt ger\u00e4umt, in denen bislang nichts als friedlich gezeltet wurde und es Workshopzelte f\u00fcr eine gerechtere Welt gab. Da wird eine Demo mit 10.000 Menschen zerschlagen, weil es dort vielleicht 500 Vermummte gab, die nach Verhandlungen gerade zumindest in Teilen bereit waren, ihre Vermummung abzulegen und bei der es zu dem Zeitpunkt weitgehend friedlich abging. In beiden F\u00e4llen konnte man sicher sein, da\u00df die Gegenwehr \u00fcberschaubar blieb, da konnte man als Polizei also sch\u00f6n mit Gewalt reinschlagen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite war aber weit und breit keine Polizei zu sehen, als am Freitagmorgen kilometerweit Autos brannten oder als letzte Nacht die Schanze brannte. Anwohner berichten, da\u00df drei Stunden lang der P\u00f6bel alles kurz und klein schlagen konnte, da\u00df man mehrfach die Polizei zur Hilfe rief, aber niemand kam. Die Polizei sagt, man sei \u00fcberrascht gewesen, da\u00df es zu Gewalt im Schanzenviertel kam. Wer l\u00e4nger als ein halbes Jahr in Hamburg wohnt wei\u00df, da\u00df das Quatsch ist. Die Polizei hatte einfach keine Eier, da reinzugehen und hat mit ihrem Eingriff so lange gewartet, bis der P\u00f6bel zufrieden und weitergezogen war. Oder sie war eben interessiert daran, solche Bilder entstehen zu lassen, um dann andere, eigentlich ungerechtfertigte Reaktionen, nachtr\u00e4glich zu legitimieren. So oder so eine gro\u00dfe Schweinerei.<\/p>\n<p>Und heute morgen, ich wohne etwa 200m vom Beginn der Sperrzone entfernt, erlebe ich, wie eine Oma, vielleicht 90 Jahre alt und von den Jahren deutlich gebeugt, mit ihrem Twingo an einer Stra\u00dfensperre steht. Sie war einkaufen und m\u00f6chte nun mit ihren Eink\u00e4ufen wieder nachhause. Sie kann sich ausweisen und wohnt tats\u00e4chlich 150m weiter in einem Gebiet, das friedlich ist. Und diese gro\u00dfkotzigen Polizisten stellen sich breitbeinig vor diese Frau und lassen sie nicht durch. Sie solle doch ihr Leben besser organisieren, sie wisse doch, da\u00df hier gesperrt sei. Nachts zu feige sein, um die Bev\u00f6lkerung vor marodierenden Idioten zu sch\u00fctzen, aber vor &#8217;ner Oma den gro\u00dfen Max machen. DAS ist die Polizei hier zur Zeit in dieser Stadt.<\/p>\n<p>Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: die Polizei hat die Aufgabe, f\u00fcr einen reibungslosen Ablauf dieser Veranstaltung zu sorgen und teilweise mu\u00df sie auch nur ausbaden, was andere mit der Entscheidung, den G20 hier stattfinden zu lassen, eingebrockt haben. Das ist mir klar und ich m\u00f6chte nicht in deren Haut stecken. Ich kann aber von Vertretern des Staates, von Profis in Gefahrenabwehr erwarten, da\u00df sie das mit Ruhe, Gelassenheit und Augenma\u00df auf der einen Seite und mit klarer H\u00e4rte auf der anderen Seite tut. So wie es hier geschieht, halte ich es in einem demokratischen Staat f\u00fcr nicht w\u00fcrdig.<\/p>\n<p>Und damit auch das klar ist: die Honks, die hier brandschanzend und pl\u00fcndernd durch die Gegend ziehen, geh\u00f6ren eingebuchtet und mit so viel Sozialstunden \u00fcberzogen, bis sie den Schaden, den sie anrichteten, doppelt und dreifach, quatsch, zehnfach wieder gutgemacht haben. Ich habe null Verst\u00e4ndnis f\u00fcr solche Aktionen, die einfach asozial sind und zu 99% die falschen, n\u00e4mlich auch nur arme Schlucker treffen.<\/p>\n<p>Ich hoffe, da\u00df die f\u00fcr heute angek\u00fcndigten Gro\u00dfdemonstrationen nicht geschw\u00e4cht aus diesem Chaos hervorgehen. Ich hoffe, da\u00df freiheitliche Werte nicht zerrieben werden zwischen Anarchie und Polizei\u00fcberreaktion. Und ich hoffe, da\u00df innenpolitische Scharfmacher nicht Kapital ziehen aus den Vorf\u00e4llen hier in der Stadt. Denn das mu\u00df doch auch klar sein: die Chaoten spielen genau in die H\u00e4nde derer, gegen die sie antreten. Wenn wir schon so weit sind, da\u00df Sprecher der Roten Flora sich von den Vorf\u00e4llen distanzieren, dann ist hier einiges schiefgelaufen.<\/p>\n<p>Dialog, das soll der G20 sein. Dann sprecht miteinander. Eine m\u00e4chtige Demo mit 100.000 Teilnehmern sagt mehr, als brennende Autos und gepl\u00fcnderte Superm\u00e4rkte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meiner geliebten Heimatstadt geschehen gerade an diesem Wochenende so viele unglaubliche Dinge, da\u00df ich dar\u00fcber meine Meinung rauslassen mu\u00df. Ganz grunds\u00e4tzlich halte ich Treffen wie G7\/G8\/G20 f\u00fcr eine wichtige Institution. Nur mit Dialog kommt man weiter und f\u00fcr Dialog mu\u00df man sich auch treffen. 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