{"id":3853,"date":"2011-06-26T16:15:05","date_gmt":"2011-06-26T14:15:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tour-blog.de\/?p=3853"},"modified":"2011-06-25T20:12:20","modified_gmt":"2011-06-25T18:12:20","slug":"speicherstadtgedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tour-blog.de\/?p=3853","title":{"rendered":"Speicherstadtgedanken"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img class=\"aligncenter\" title=\"Die Hamburger Speicherstadt bei Nacht\" src=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2011\/06\/Speicherstadt 1.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Nachdem ich nach Hamburg gezogen war, hatte ich recht bald f\u00fcr anderthalb Jahre lang einen festen Job inmitten der <a title=\"Der Begriff bei Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Speicherstadt\" target=\"_blank\">Speicherstadt<\/a>: ich war f\u00fcr die Technikbetreuung der <a title=\"Die alte Ausstellungs - CD der Titanic - Ausstellung in Hamburg\" href=\"http:\/\/www.titanic-exhibition.com\/\" target=\"_blank\">Titanic &#8211; Ausstellung<\/a> zust\u00e4ndig, die in alten Speichern auf dem Kehrwieder eingezogen war. Dort wo heute das <a title=\"Hamburg Dungeon\" href=\"http:\/\/www.the-dungeons.de\/hamburg\/de\/index.htm\" target=\"_blank\">Hamburg Dungeon<\/a> residiert. Der \u00dcbergang zwischen Titanic und Dungeon fiel insgesamt in einen harten Schnitt im Dasein der Speicherstadt. Ich erlebte die Speicherstadt noch als Teil des Freihafens. Wir arbeiteten im Zollausland und dementsprechend mu\u00dften wir eng mit dem Zoll zusammenarbeiten, wenn wir Exponate oder Technik zu transportieren hatten. Auch standen bei uns noch die kompletten Geb\u00e4ude unter Denkmalschutz. Alles was wir einbrachten mu\u00dfte so montiert werden, da\u00df es sich ohne Ver\u00e4nderung oder gar Schaden am Geb\u00e4ude auch wieder entfernen lassen konnte. Manchmal hatten wir das Gef\u00fchl, da\u00df es um jede einzelne Schraube Diskussionen mit dem Denkmalschutz gab. Daf\u00fcr hatten wir eine wundervolle, knarzige Atmosph\u00e4re; die R\u00e4ume rochen nach Kaffee, Tee und Gew\u00fcrzen, die 100 Jahre lang in diesen Gem\u00e4uern umgeschlagen worden waren. Man mag es sich gar nicht vorstellen, aber gerade die Speicherstadt war in dieser Zeit noch der gr\u00f6\u00dfte Umschlagplatz f\u00fcr Kaffee, Tee, Gew\u00fcrze und Orientteppiche der Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img class=\"aligncenter\" title=\"Die Hamburger Speicherstadt bei Nacht\" src=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2011\/06\/Speicherstadt 2.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Nach anderthalb Jahren war alles zuende, wir zogen aus und hinterlie\u00dfen besenreine Speicherlager. Als ob nichts gewesen w\u00e4re. Und dann kam der Umbruch. Man hatte die Speicherstadt als angesagtes Viertel entdeckt, aus dem Freihafen herausgel\u00f6st. Die Zollz\u00e4une fielen und auch Teile des Denkmalschutzes. Infolgedessen regierte in &#8222;unserem Geb\u00e4ude&#8220; faktisch der Abri\u00df: die Au\u00dfenmauern blieben erhalten, aber der Innenausbau aus Holz wurde komplett herausgerissen, Betondecken eingezogen. Am Ende stand dort ein modernes Haus mit alter Fassade in dem es nach nichts mehr riecht; ganz bestimmt nicht mehr nach Tee, Kaffee und Gew\u00fcrzen. Ich war w\u00e4hrend des Umbaus einmal dort und habe da sicher eine Viertelstunde in dem nackten Geb\u00e4ude gestanden und geweint.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img class=\"aligncenter\" title=\"Die Hamburger Speicherstadt bei Nacht\" src=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2011\/06\/Speicherstadt 3.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Heute gibt es in der Speicherstadt immer noch Orientteppichhandel, aber Gew\u00fcrze, Kaffee und Tee sind verschwunden. Verschwunden ist auch die R\u00f6sterei, die ganz regelm\u00e4\u00dfig die ganze Gegend in Kaffeeduft setzte. Gekommen sind die Hippen dieser Welt: Designer, Agenturen, teure Restaurants und ein paar Partypeople. Die gro\u00dfen LKW &#8211; Ladefl\u00e4chen sind heute sch\u00f6n eingeteilt in viele kleine PKW &#8211; Parkpl\u00e4tze mit Reservierungsnamensschildchen. Von einer Gegend, in der man Lagerfl\u00e4che ab 5,00DM\/m\u00b2 mieten konnte, hat sich der Bezirk in ein edles B\u00fcrogel\u00e4nde mit astronomischen Mieten verwandelt. In ein erstarrtes Museum ohne echtes Leben mehr.<\/p>\n<p>Vorgestern Abend bin ich quer durch die Speicherstadt gelaufen. Klar, f\u00fcr Touristen sind die heute angestrahlten Geb\u00e4ude sicher sch\u00f6n. Aber der Duft ist weg. Es ist heute ein beliebiges Freilichtmuseum ohne echte Emotion. Und keine Beleuchtung kann das Strahlen der Speicherstadt bei Sonnenaufgang nach einer durchgearbeiteten Nacht ersetzen. Nat\u00fcrlich kann ich verstehen, da\u00df heute viele wie wir damals in den gro\u00dfen Ladetoren zu den <a title=\"Der Begriff in Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fleet\" target=\"_blank\">Fleet<\/a>en hin sitzen und ihr Pausenbrot essen wollen. Aber ich finde es schade, da\u00df die Holzb\u00f6den und der ganze Charme der Geb\u00e4ude daf\u00fcr geopfert werden mu\u00dfte. \u00dcbriggeblieben sind innen nur die hei\u00dfgenieteten Stahls\u00e4ulen, ein einmal die Geb\u00e4ude trugen, als Dekoelemente. Nett lackiert.<\/p>\n<p>Mein Spaziergang hat mich gestern melancholisch gemacht. &#8222;Meine&#8220; Speicherstadt h\u00e4tte etwas besseres verdient gehabt, als in Schick zu erstarren. Ich h\u00e4tte mir mehr K\u00fcnstler gew\u00fcnscht und mehr Handwerk. Echtes Leben. Und keine sich selbst feiernden, schlipstragenden Sesselpfurzer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich nach Hamburg gezogen war, hatte ich recht bald f\u00fcr anderthalb Jahre lang einen festen Job inmitten der Speicherstadt: ich war f\u00fcr die Technikbetreuung der Titanic &#8211; Ausstellung zust\u00e4ndig, die in alten Speichern auf dem Kehrwieder eingezogen war. Dort wo heute das Hamburg Dungeon residiert. 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