{"id":378,"date":"2006-06-28T15:11:09","date_gmt":"2006-06-28T14:11:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tour-blog.de\/?p=378"},"modified":"2006-06-28T15:20:05","modified_gmt":"2006-06-28T14:20:05","slug":"konzertkritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tour-blog.de\/?p=378","title":{"rendered":"Konzertkritik"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man selbst eine Show lobhudelt, dann ist das ja oft nicht so richtig glaubw\u00fcrdig. Letzte Woche gab es eine sehr sch\u00f6ne Kritik \u00fcber die Palastrevue in der <a target=\"_blank\" title=\"HAZ\" href=\"http:\/\/www.haz.de\/\">Hannoverschen Allgemeinen Zeitung<\/a> und heute bekam ich die &#8222;Nachdruckgenehmigung&#8220;, also die Erlaubnis, den Artikel hier einzustellen. Herzlichen Dank an die Redaktion. Und hier der Artikel:<\/p>\n<div align=\"center\"><em><strong>\u201eGnabend!\u201c<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>Schl\u00e4frig und hellwach: Max Raabe und sein Palastorchester im hannoverschen Theater am Aegi<\/strong><\/em><\/div>\n<p><em>von Matthias Schmidt<\/em><\/p>\n<p><em>Hannover zur Zeit der Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft. Auf dem Weg zum Theater am Aegi wundert man sich, wie viele Mexikaner tr\u00f6tend auf eine einzige Stra\u00dfe und wie viele Fernsehleinw\u00e4nde in eine ganze Stadt passen. Im ausverkauften Aegi dann hat man die pl\u00f6tzliche v\u00f6llige Abwesenheit von allem, was mit Fu\u00dfball zu tun hat, und obendrein einen Zeitsprung zu verkraften: Hier gibt es sepiaget\u00f6ntes Licht, schellackgef\u00e4rben Sound und turmhohe Podeste f\u00fcr die elf Musiker mit reichlich Brisk im Haar.<\/p>\n<p>Max Raabe und das Palastorchester &#8211; kaum zur\u00fcck von ihrer ersten China-Tournee &#8211; pr\u00e4sentieren die \u201ePalastrevue\u201c, eine Reise in die zwanziger, drei\u00dfiger und f\u00fcnfziger Jahre des letzten Jahrhunderts. 13-mal stehen sie damit im hannoverschen Theater am Aegi auf der B\u00fchne &#8211; ein Triumph. \u201eGnabend!\u201c n\u00e4selt Max Raabe, im Frack mit wei\u00dfer Fliege, in sein Mikrofon. Mit schl\u00e4frigem, aber hellwachen Blick steht Raabe vor dem Publikum, die Arme h\u00e4ngen wie an Marionettenf\u00e4den unbeteiligt und unbewegt herunter. Stimme und Mimik ist bei Raabe alles, es gibt keine Gestik &#8211; au\u00dfer eben der der Wachsfigur. Alles ist k\u00fcnstliche Betonung und alles ist betonte K\u00fcnstlichkeit. Und schon nach den ersten Liedern ist klar: Hier sitzt jedes Detail. Jede Silbe, jedes Brauenzucken, jeder Ton ist sorgsam ausget\u00fcftelt, die Show gl\u00e4nzend und humorvoll inszeniert.<\/p>\n<p>Die Musiker des Palastorchesters (von Raabe gesprochen mit \u201ech\u201c), spielen mit Understatement und Raffinesse; ab und an trippelt ein Ballett \u00fcber die B\u00fchne, die Kulisse wird gewechselt, oder einfache, aber effektvolle Schattenspiele bereichern das B\u00fchnenbild. Man taucht ab in Vintage-Flair und Nostalgie-Ironie. Und wenn Raabe den R\u00fchmann-Song \u201eIch brech&#8216; die Herzen der stolzesten Frau&#8217;n\u201c, den man eigentlich \u00fcberhaupt nicht mehr h\u00f6ren kann, singt, dann gibt er eine Zeile wie \u201eMein Blut ist Lava\u201c derart phlegmatisch-verschmitzt zum Besten, dass das abgedroschene Lied tats\u00e4chlich zur \u00fcberraschenden, liebevollen Persiflage wird.<\/p>\n<p>Raabes Ansagen sind trocken, pointiert und voller Sprachwitz (\u201eDas folgende Lied ist so popul\u00e4r, dass Sie es erkennten, wenn ich es pf\u00f6ffe\u201c), die Stimme des gelernten Operns\u00e4ngers aus Berlin ist weich, n\u00e4selnd, aber dennoch voll, spielend f\u00fchrt er sie in Tenorh\u00f6he, bevor sie in den Bass st\u00fcrzt. Das Palastorchester swingt und kann auch mal ganz piano spielen, so gut wie unverst\u00e4rkt. Ob Filmschlager oder US-Big-Band-Sound, ob venezianischer Schmalz oder butterweiche Rumba, A-cappella oder funky Pop (\u201eSex Bomb\u201c) &#8211; im fliegenden Wechsel geht es auf und ab. Banjo, Sousafon oder Perkussion bringen weitere Klangfarben ins Spiel. Und weil es sich hier um eine Revue handelt, tauchen neben den T\u00e4nzerinnen im knappen Kost\u00fcm auch weitere Accessoires auf: Zu \u201eIch brauche keine Millionen\u201c, erst nur zum Piano gesungen, rollt Raabe einen gro\u00dfen \u201eTresor\u201c auf die B\u00fchne, der sich sp\u00e4ter \u00f6ffnet und eine (scheinbar) kleinw\u00fcchsige Clownskapelle beinhaltet, die den den Rest des Liedes im Dixieland-Stil runterrattert. So kann man altgediente Klassiker spritzig neu interpretieren! Und Raabes eigenen (und einzigen) Hit \u201eKein Schwein ruft mich an\u201c wird in einer Version von Sinatras \u201eNew York, New York\u201c galant umspielt, ach was: getunnelt.<\/p>\n<p>Wenn man der \u201ePalastrevue\u201c etwas vorwerfen kann, dann nur kleine b\u00fchnentechnische Unzul\u00e4nglichkeiten und den dramaturgischen Wandel nach der Halbzeit. Musste man zur Pause noch vom Detailreichtum, der feinen Ironie sowie den grandiosen, leichtf\u00fc\u00dfigen Interpretationen schw\u00e4rmen, so legten Raabe und sein Orchester im zweiten Teil des Abends mehr Wert auf grellere Musikcomedy. Die Konzentration auf die Musik wich der Lust an musikalischen Sp\u00e4\u00dfchen. Zu den \u201eCapri-Fischern\u201c schnallten sich die Musiker kleine Gondeln um den Bauch; die mit lautem Knall zerplatzende Papiert\u00fcte war ebenso dabei wie die rote Clownsnase.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es auch den \u201eKleinen, gr\u00fcnen Kaktus\u201c, als Zugabe, charmant im Dixiegewand. Zum Schluss dann begeisterte Ovationen, im Stehen. Mit einem mexikanischen Lied zur Gitarre werden wir hinaus in den sp\u00e4ten Abend geschickt, wo alles j\u00e4h so bunt ist. Und wo die Welt und wir wieder unwillk\u00fcrlich zu G\u00e4sten vor den \u00f6ffentlichen Fernsehleinw\u00e4nden werden.<\/p>\n<p>Max Raabe und das Palastorchester spielen noch bis zum 30. Juni (au\u00dfer montags), jeweils 20 Uhr, im Theater am Aegi.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man selbst eine Show lobhudelt, dann ist das ja oft nicht so richtig glaubw\u00fcrdig. Letzte Woche gab es eine sehr sch\u00f6ne Kritik \u00fcber die Palastrevue in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und heute bekam ich die &#8222;Nachdruckgenehmigung&#8220;, also die Erlaubnis, den Artikel hier einzustellen. Herzlichen Dank an die Redaktion. 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