{"id":3589,"date":"2010-11-07T15:38:57","date_gmt":"2010-11-07T13:38:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tour-blog.de\/?p=3589"},"modified":"2010-11-07T15:38:57","modified_gmt":"2010-11-07T13:38:57","slug":"liebe-und-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tour-blog.de\/?p=3589","title":{"rendered":"Liebe und Politik"},"content":{"rendered":"<p>Als ich letzten Montag aus Sopot zur\u00fcckkam, sah ich am Abend Ausschnitte der Trauerfeier von Loki Schmidt. Diese Trauerfeier und vor allem das Bild des weinenden, sichtbar am Boden zerst\u00f6rten Helmut Schmidt l\u00e4\u00dft mich seit dem nicht mehr los.<\/p>\n<p>Da sind zwei Menschen, nach au\u00dfen hin k\u00fchle, n\u00fcchterne, abgekl\u00e4rte, unsentimentale Hanseaten, die sind seit 68 Jahren miteinander verheiratet und seit 80 Jahren miteinander verbunden. Sie haben einander versprochen, sich nicht im Stich zu lassen, komme, was da wolle und solle. Sie halten dieses Versprechen so gut sie k\u00f6nnen und am Ende, nach 68 Jahren Ehe, steht immer noch Liebe. Dieses Paar zeigt uns unsere billige Verlogenheit, zeigt uns, wie einfach wir uns es oft machen und wie viel wir dadurch verlieren.<\/p>\n<p>&#8222;Ich mu\u00df mich einfach mehr selbst verwirklichen&#8220; sagen wir manchmal, wenn wir uns trennen. Wenn ich auf das Ehepaar Schmidt schaue, dann wird mir klar, wie l\u00e4cherlich ein solches Argument ist. Keiner kann sagen, da\u00df sich nicht beide innerhalb ihrer Beziehung h\u00e4tten verwirklichen k\u00f6nnen. Ich m\u00f6chte sogar so weit gehen und behaupten, da\u00df beiden in den entscheidenden Momenten vielleicht sogar die Kraft gefehlt h\u00e4tte, w\u00e4re da nicht eine starke Basis, ein solider R\u00fcckhalt gewesen, auf den sie vertrauen konnten. Erst die Bereitschaft, sich auch auf den anderen einzulassen, erm\u00f6glichte die Selbstverwirklichung. Ich bin dabei nicht so naiv zu glauben, da\u00df zwischen Loki und Helmut immer nur Friede, Freude, Eierkuchen geherrscht h\u00e4tte; dazu sind oder waren beide zu streitbare Menschen. Aber Respekt und eben die Gewi\u00dfheit, nicht im Stich gelassen zu werden, das war wohl immer da.<\/p>\n<p>Nun werden vielleicht einige einwenden, da\u00df die Zeit, die Gesellschaft sich gewandelt habe \u2014 das ist aber, mit Verlaub, Quatsch. Die Gesellschaft, das sind wir. Wir alle, Ihr, Du, ich. Nat\u00fcrlich haben wir uns gewandelt. Aber wir sind letztlich nicht freier geworden, sondern nur feiger. Und wir betr\u00fcgen uns mit dem kleinen, schnellen Gl\u00fcck, weil wir den Mut nicht haben, verbindlich f\u00fcr das gro\u00dfe Gl\u00fcck zu k\u00e4mpfen. Uns fehlt Gr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>&#8230;&#8230;<\/p>\n<p>Manche bedauern, da\u00df die Zeit der gro\u00dfen Politiker vergangen sei. Menschen wie Adenauer, Strau\u00df, Brandt, Wehner, oder eben Schmidt. Heute haben wir nur noch gesichtslose, phantasielose Fatzken, viele davon Huren der Lobbyisten. Langeweiler, die den Kontakt zum richtigen Leben oft verloren haben. Letztlich sind sie aber nur Spiegel unser selbst. Genauso wie wir in unserem Privatleben oft den Weg des geringeren Aufwands gehen und uns davor scheuen, echte Verantwortung zu \u00fcbernehmen, genauso ist heute die Kaste der Politiker eben nicht mehr bereit, echten Einsatz zu zeigen und geht den Weg der pers\u00f6nlichen Machtbefriedigung, anstatt wirkliche Verantwortung f\u00fcr diesen Staat zu \u00fcbernehmen. Eigentlich d\u00fcrfen wir es nicht \u00fcbelnehmen, so lange wir selbst vor Verantwortung zur\u00fcckschrecken.<\/p>\n<p>&#8230;&#8230;<\/p>\n<p>All diese Gedanken gehen mir nun seit einer Woche durch den Kopf. Es ist Zeit, nicht einfach aufzugeben, kleinbei zu geben, den einfachen Weg zu gehen, sondern statt dessen abzuwettern und sich zu bekennen. Klar zu sein. Sich selbst und eben auch diese Gesellschaft wieder zu wandeln zu einem lebens- und liebenswerten Ort. Auch wenn es im Zweifelsfall mehr Arbeit bedeutet.<\/p>\n<p>Danke Loki &amp; Helmut, da\u00df Ihr mich \u2014 neben anderen \u2014 daran erinnert habt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich letzten Montag aus Sopot zur\u00fcckkam, sah ich am Abend Ausschnitte der Trauerfeier von Loki Schmidt. Diese Trauerfeier und vor allem das Bild des weinenden, sichtbar am Boden zerst\u00f6rten Helmut Schmidt l\u00e4\u00dft mich seit dem nicht mehr los. 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