{"id":2607,"date":"2009-08-08T11:12:13","date_gmt":"2009-08-08T09:12:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tour-blog.de\/?p=2607"},"modified":"2010-08-10T12:26:06","modified_gmt":"2010-08-10T10:26:06","slug":"alice-im-flatrateland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tour-blog.de\/?p=2607","title":{"rendered":"Alice im Flatrateland"},"content":{"rendered":"<p>So eine Flatrate ist ja praktisch. Die meisten Internetnutzer haben sie sowieso, aber es gibt sie nat\u00fcrlich auch als Mitgliedsbeitrag im Fitnessclub, als Monatskarte der \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel, zur Unterst\u00fctzung des Absturzes in der Kneipe und zuletzt sogar konnte man im Puff zum Pauschalpreis bis zur Besinnungslosigkeit ficken. Man wei\u00df vorher, was da finanziell auf einen zukommt und kann dann hemmungslos loslegen, ohne sich weitere Gedanken machen zu m\u00fcssen. Letztlich haben alle Beteiligte etwas davon: ich als Nutzer, weil die finanzielle Seite \u00fcberschaubar ist und auch der Anbieter, weil er sich nat\u00fcrlich vorher ausgerechnet hat, da\u00df er im Durchschnitt sicher auf seine Kosten kommt. Denn tats\u00e4chlich nutzen dann viele die einmal abgeschlossene Flatrate gar nicht so exessiv. Was liegt also n\u00e4her, auch f\u00fcr die Nutzung kultureller Inhalte eine solche Flatrate einzuf\u00fchren; die sogenannte Kulturflatrate ?\u00a0 Jeder zahlt einen monatlichen Betrag und damit kann man hemmungslos alles nutzen, ohne sich Sorgen machen zu m\u00fcssen, da\u00df da pl\u00f6tzlich der Staatsanwalt beispielsweise wegen Raubkopiererei vor der T\u00fcre steht. Auf den ersten Blick ein schl\u00fcssiger Gedanke.<\/p>\n<p>Leider nur auf den ersten Blick.<\/p>\n<p>In der Praxis kann das leider so einfach gar nicht funktionieren.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es n\u00e4mlich bei allen oben genannten Beispielen jeweils einen Anbieter und (hoffentlich) viele Kunden gibt, g\u00e4be es bei der Kulturflatrate zehntausende Anbieter; Komponisten, Autoren, Journalisten, K\u00fcnstler. Nach welchem Schl\u00fcssel soll das Geld verteilt werden ?\u00a0 Es w\u00e4re also eine irre Verwaltung notwendig, die erhebliche Teile des eingenommenen Geldes f\u00fcr sich verbraten w\u00fcrde. Zumal die dann irgendwie getroffene Regelung st\u00e4ndig umstritten w\u00e4re, weil so ein Schl\u00fcssel einfach nicht gerecht sein <em>kann<\/em>. Hinzu kommt, da\u00df ein Autor bislang bestimmen kann, wer seine Werke wie nutzt. Er kann auch bestimmte Verwendungen ausschlie\u00dfen. Wie soll das gehen, wenn pl\u00f6tzlich alles &#8222;flat&#8220; ist ?\u00a0 Wie komplex das Thema ist und wie wenig gerecht umsetzbar, zeigt unter anderem <a title=\"\u00dcbersicht zur Kulturflatrate\" href=\"https:\/\/www.tour-blog.de\/2009\/08\/Kulturflatrate.pdf\" target=\"_blank\">eine \u00dcbersicht<\/a>, die die deutschen Buchautoren zusammengestellt haben.<\/p>\n<p>Die Probleml\u00f6sung kann meiner Meinung nach nicht in einer Flatrate liegen, sondern in einem Umdenken. Wenn jemand zum B\u00e4cker geht und Br\u00f6tchen will, dann wird er selbstverst\u00e4ndlich daf\u00fcr bezahlen. Der B\u00e4cker hat sich mitten in der Nacht hingestellt, die Br\u00f6tchen gebacken, vorher die Zutaten und Maschinen gekauft und mu\u00df Miete f\u00fcr seinen Laden zahlen. Daf\u00fcr braucht er Geld und niemand wird das anzweifeln. Wenn jemand zu einem Autoh\u00e4ndler geht und einen Wagen will, dann wird er selbstverst\u00e4ndlich daf\u00fcr bezahlen. Das Fahrzeug wurde aufwendig entwickelt und gebaut, viele Menschen waren daran beteiligt, die m\u00fcssen alle leben, die Fabriken m\u00fcssen finanziert werden. Daf\u00fcr braucht die Firma Geld und niemand wird das anzweifeln. Warum sollen also Kulturschaffende, sollen Buchautoren, Filmemacher, Journalisten, Photographen, Musikkomponisten nicht fair daf\u00fcr bezahlt werden, da\u00df sie sich hinsetzen und diese kulturellen G\u00fcter schaffen ?\u00a0 So ein System haben wir im Grunde. Oder h\u00e4tten, wenn wir nicht t\u00e4glich versuchten, es auszuhebeln, indem wir diese Werke einfach kopieren.<\/p>\n<p>Die L\u00f6sung kann meiner Meinung nach nicht sein, da\u00df man ganze Kunstzweige amateurisiert, da\u00df die K\u00fcnstler also sich einen &#8222;richtigen&#8220; Beruf suchen und nur noch nebenher ihrer Kunst nachgehen. Das w\u00e4re eine Bankrotterkl\u00e4rung. Und die L\u00f6sung einer Kulturflatrate ist keine, schafft sie n\u00e4mlich mehr Probleme, als sie l\u00f6st.<\/p>\n<p><strong>Nachtrag 10.08.2009:<\/strong> weil das in der Diskussion in den Kommentaren untergeht hier noch mal zwei Punkte, die man bei der Kulturflatrate und dem Urheberrecht gern vergi\u00dft: Es geht in der Musik beim Urheberrecht <strong>nicht<\/strong> um die auff\u00fchrenden Musiker, sondern um die Menschen, die die Musik geschrieben haben. Das sind oft nicht die selben. Die Autoren eines St\u00fcckes k\u00f6nnen durch Konzerte, Merchandising, oder \u00e4hnlichem kein Geld verdienen, da man sie im Zweifelsfall \u00f6ffentlich gar nicht kennt. Nur mal ein Beispiel: Joe Cocker, den meisten von uns als erfolgreicher S\u00e4nger bekannt, hat nicht ein St\u00fcck selbst geschrieben. Er hat Autoren. Und die werden \u00fcber das Urheberrecht bezahlt.<\/p>\n<p>Zum anderen: es geht bei der Kulturflatrate nicht nur um Musik. Es geht um viel mehr: es geht um Photographen, um Buchautoren, um Journalisten, um Filmemacher und deren Arbeit. Ja, es geht dann auch um Musikkomponisten &#8230;&#8230; aber eben &#8222;auch&#8220;. Wie soll ein Photograoph \u00fcberleben, wenn das Urheberrecht untergraben wird ?<\/p>\n<p>Und weil so gerne \u00fcber die &#8222;Rechteindustrie&#8220; gehetzt wird: warum nur begeben sich ein Gro\u00dfteil der K\u00fcnstler bis heute freiwillig in die &#8222;F\u00e4nge&#8220; ebendieser ?\u00a0 Weil es f\u00fcr die meisten der beste Weg ist, finanziell zu \u00fcberleben. Nat\u00fcrlich gibt es Ausnahmen, die gibt es ja immer. Aber in fast allen k\u00fcnstlerischen Branchen gibt es Verlage und Verwertungsgesellschaften, die bis heute ihre Berechtigung haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So eine Flatrate ist ja praktisch. 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