MiWuLa Backstage – Tour

Ich bin Techniker und darum war ja klar, daß ich mir so eine Ausstellung nicht anschauen kann, ohne auch hinter die Kulissen der Anlage zu schauen. Hier seht Ihr den Kontrollstand, an dem vier Leute schauen, daß alles mit rechten Dingen zugeht. Gibt es irgendwo Pannen, werden per Funk Kollegen alarmiert, die dann zum Unglücksort eilen.

Insgesamt finde ich es beachtlich, daß die Anlage bis in den letzten Winkel sehr detailverliebt gebaut ist. Selbst an Stellen, die man von vorne überhaupt nicht einsehen kann, findet man noch verspielte Kleinigkeiten und Specials. Das ist schon wirklich klasse.

Unter der Anlage gibt es mehrstöckige Schattenbahnhöfe, also Flächen, auf denen Züge auf ihren nächsten Einsatz warten, oder einfach nur von einem Anlagenteil in den nächsten fahren. Außerdem stehen da natürlich reihenweise Rechner, Netzteile und die ganze Steuerelektronik. Man kann sagen, daß wirklich jeder Quadratzentimeter ausgenutzt wird.

Hier ist eine der beiden Ladestationen für die zahlreichen Autos zu sehen, die über die Anlage fahren. Der Steuercomputer merkt, wenn der Akku eines Fahrzeugs schwächer wird und steuert den Wagen dann in ein freies Ladedock; ist der Akku voll, reiht sich das Auto computergesteuert wieder in den Verkehr ein.

Am Flughafen wurde ich Zeuge eines tragischen Unfalls: ein unachtsamer Pilot steuerte in voller Fahrt gegen einen liegengebliebenen Flieger ……

…… innerhalb weniger Sekunden eilten Rettungskräfte herbei, die die beiden Flugzeuge wieder auseinanderzogen, abbargen und dann die Wiederaufnahme des Flugverkehrs gewährleisteten :-)

im Miniatur – Wunderland

Zwei Kommentare hier im Blog gaben mir den Anstoß, mal ganz, ganz mutig zu sein und eine Stätte zu besuchen, in der ich lange arbeitete und die zwischenzeitlich entkernt und, nun ja, so empfand ich das lange, mißhandelt worden war: Kehrwieder 2 – 4, alte Lagerhäuser in der Speicherstadt, in der ich 1,5 Jahre mit der Titanic – Ausstellung war. Nun ist in diesen Lagern unter anderem das Miniatur Wunderland und es war eeeeeeeecht komisch, dort zu sein. Vom alten Geruch und Feeling ist jedenfalls in der Ausstellung selbst fast nichts mehr übriggeblieben, nur als ich auf dem zweiten Boden mal durch eine Türe lünkerte, die eigentlich für Besucher gesperrt war, kam noch ein bißchen Speicherstadtfeeling für mich auf — und ein ganz starkes Gefühl von …… Heimweh.

Nun ja, nun also das Miniatur – Wunderland und da muß ich jetzt, mal völlig losgelöst von meinen Erinnerungen zu dem Gebäude, feststellen, daß diese Modellbauwelt richtig gut gemacht ist. Es gibt ein paar Dinge im Eingangs-, Kassen- und vor allem Gastrobereich, die ich deutlich anders und stimmiger lösen würde, die mir zu nachlässig gemacht sind, aber sobald man den eigentlichen Ausstellungsbereicht betritt, sind all‘ diese Dinge vergessen und ich war ehrlich begeistert von der Akribie und Liebe, mit der da gearbeitet wurde.

Das Miniatur – Wunderland ist die größte Modelleisenbahn der Welt. Sie ist in der Spur H0 aufgebaut und erstreckt sich über zwei Etagen. Und sie ist wirklich … groß. Ehrlicherweise ging es mir so, daß der Eisenbahnaspekt der Anlage etwas unterging, weil der Modellbau drumherum, die vielen kleinen, wirklich gut gemachten Details, mich wirklich gefangennahmen. Man sieht innerhalb der Anlage auch die verschiedenen Entwicklungsstufen der Anlage; zu Beginn vor 10 Jahren war man in manchen Dingen noch nicht ganz so perfekt, aber bei den moderneren Teilen, insbesondere beim Flughaben, da ist es wirklich schon unfaßbar, mit wie viel Detailversessenheit und Perfektion da gearbeitet wurde.

Man kann Stun-den, wirklich viele Stunden durch die Anlage laufen (bei mir waren es fünf und ich werde bestimmt nochmal wiederkommen) und hat ganz sicher noch nicht alles gesehen. Ein paar der Details werde ich Euch hier nun zeigen.

Die Anlage besteht nicht nur aus Oberfläche, manchmal ist an den Kanten auch noch Unterwelt zu sehen. Hier beispielsweise der Tresorraum voller Gold einer Bank, in dem die Polizisten schon darauf warten, daß die Bankräuber, die sich mühsam einen Stollen gegraben haben, durchbrechen, um sie festnehmen zu können.

In der Abfahrt eines Parkhauses auf dem Flughafengelände gibt es ein rasantes Kofferkuli – Rennen.

Hier geht wohl eine erfolgreiche Verbrecherkarriere zumindest mal in eine Warteschleife.

Es freunden sich Wesen an, die sich normalerweise nie treffen würden…

… und es wird klar, daß auch Mönche Fahrwerksspezialisten sind.

Überhaupt kann man feststellen, daß die Modellbauer an einigen Stellen Dinge zeigen, bei denen man sieht, daß sie trotz ihres „Hobbys“ mitten im Leben stehen :-)

Auch fliegen besondere Wesen durch die Lüfte, um Menschen zu transportieren …

… oder sie in letzter Sekunde vor dem Absturz zu retten.

Auf dem Flughafen brennt es und die Feuerwehr kommt herbei, um den Brand wieder zu löschen.

Und bei den zahlreichen Bühnen gibt es nicht nur Stars, sondern auch die Menschen meines Berufs zu sehen. So ist es Recht.

Ihr seht, es ist ein großer Spaß, die Ausstellung zu sehen und hier kann ich gar nicht alle Bilder zeigen. Wer eine größere Auswahl sehen möchte, dem habe ich hier mal ein paar mehr hochgeladen. Und im Photoblog werde ich in den nächsten Wochen sicher auch nochmal einige Bilder in größerer Auflösung zeigen.

Allen Hamburgern und Hamburgbesuchern kann ich die Ausstellung wirklich empfehlen …… und das mit dem Gebäude … das ist auch fast verziehen.

Was Ihr wollt

Gestern Abend kam ich zufällig auf dem Weg zur U-Bahn am Thalia Theater vorbei, eigentlich stand für den Abend Kino auf dem Programm, doch dann fiel die Entscheidung spontan anders: „Was Ihr wollt“ von Shakespeare hatte ich noch nie gesehen, ehrlicherweise war noch nichtmal die grobe Handlung bekannt und da Kultur nie schadet, wurde der Plan geändert.

Als sich der Vorhang hob, gab es ein quitschbuntes Wald – Bühnenbild, sieben Schauspieler und einen Musiker mit ’nem Rhodes auf der Bühne und daran sollte sich die folgenden zwei Stunden netto Spielzeit auch nichts ändern. Alle Personen waren immer auf der Bühne (eine Schauspielerin ist hier nicht auf dem Bild, weil sie zu Anfang ganz still und unauffällig am linken Bühnenrand saß und ich sie zum Zeitpunkt des Photos noch nicht entdeckt hatte, was sicher im Sinne des Regisseurs lag), es gab nur dieses eine Bühnenbild und wer Angst hätte, daß sich dadurch zu wenig Möglichkeiten ergeben, dem kann diese Angst spontan genommen werden. Am Ende des Abends sah die Deko zwar etwas verwüsteter aus, aber sie war perfekte Kulisse für perfektes Schauspiel.

Nicht nur im Bühnenbild wurde gespart, auch bei der Besetzung wurden einige Rollen zusammengelegt, es war also gewissermaßen ein Kammerspiel, die Umsetzung aber grandios. Wenn Mirco Kreibich das Zwillingspaar Viola und Sebastian gibt, dann macht er das so unglaublich überzeugend und so perfekt, daß jederzeit klar ist, welche Rolle er da nun gerade spielt. Es tut auch nichts zur Sache, daß er dann gerade einen BH trägt, wenn er in den männlichen Part schlüpfen muß, aufgrund seiner Körpersprache weiß man immer, woran man ist. Auch Karin Neuhäuser hat neben Narr und Zofe noch andere Kleinrollen übernommen und sie entwickelt daraus in ihrer schnodderigen, herrlichen Art so etwas wie die Klammer, die das ganze Stück zusammenhält.

Die Inszenierung von Jan Bosse folgt ganz sicher nicht der Textvorlage und ich kann mir vorstellen, daß der Lehrer der Schulklasse, die mit im Zuschauerraum saß, vielleicht nicht ganz glücklich war über das, was an witzigen und oft spontan scheinenden Dialogen da von der Bühne kam. Ehrlicherweise fing das Stück erst so an, wie ich Shakespeare erwarten würde, kam aber dann in Fahrt und entwickelte einen unglaublichen Drive, bei dem es großen Spaß machte, ihm zuzuschauen und zu hören. Allein das Ende … die letzten fünf Minuten brachen dann doch etwas zusammen. Ich hatte den Eindruck, daß Bosse im Schluß das versuchen wollte, was es den ganzen Abend bislang (…zum Glück…) nicht gegeben hatte: große, ernsthafte, seriöse Kunst mit Anspruch. Ja, zugegeben, die Inszenierung war oft mehr Slapstick und Klamauk als „seriöses“ Theater; das aber extrem gut umgesetzt, sodaß ich eine echte Freude daran hatte. Der Versuch, auf den letzten Metern dann doch noch Tiefgang zu wagen, ist in meinen Augen aber gefloppt.

Nichtsdestotrotz war es ein vergnüglicher Abend mit einem herausragenden Ensemble. Und allen, die glauben, daß ein Theaterbesuch teurer als der Gang ins Kino sein muß, sei gesagt: das Ticket kostete nur 13,00€, viel billiger wäre ein aktueller Film auch nicht geworden. Ein Theaterbesuch loht sich also allemal.

Rock ’n‘ Roll will die, Part 2

Heute sah ich, daß Tom Petty im Sommer für ein paar Konzerte in Deutschland sein wird. Den sah ich 1982 in der Westfalenhalle, kannte ihn vorher nicht und war spontan echter Fan. Ein wirklich geiler Auftritt mit richtig geiler Musik. Spontan überlegte ich also eben, ob ich da nicht hingehen will, allerdings halten mich davon zwei Dinge ab: erstmal ist es ein bestuhltes Konzert. Ich meine, klar, die Fans von damals haben heute wahrscheinlich alle Rückenleiden, aber trotzdem: was soll ich denn bitte auf einem bestuhlten Rock ’n‘ Roll – Konzert ?!?  Ich will feiern !  Und dann kostet ein Ticket in akzeptablem Abstand zu Bühne 179,00€. Hundertachtzig Euro. Für ein Ticket einer Rock ’n‘ Roll – Kapelle, die eine bestuhlte Seniorentour spielt, auf der wahrscheinlich noch Kamelhaardecken verkauft werden. Hundertachtzig Euro.

Bei dem Musikgenre kann man es ja ruhig mal direkt formulieren: fuck you, Tom. So geil kann Deine Show gar nicht sein.

Mord und Totschlag

Man hat ja selten Gelegenheit, an einem Mordtatort  zuzuschauen. Im Museum des UKE in Hamburg ist das jetzt möglich. In der Ausstellung „Vom Tatort ins Labor“ wird gezeigt, wie Gerichtsmediziner arbeiten und auf welche Spuren sie achten, um zu bestimmen, wann und wie jemand ums Leben gekommen ist.

Die Ausstellung ist im alten Sektionssaal, die Atmosphäre stimmt also schonmal. Anhand von verschiedenen Beispielen wird gezeigt, welche Folgen Strangulierung, Schüsse, elektrischer Strom, Messer und ähnliches nach sich ziehen, wie man erkennen kann, was Mord und was Selbstmord ist. Dabei bleibt alles aber recht allgemein und in meinen Augen auch gut anschaubar. Am Eingang steht, daß man erst ab 16 Jahren Zutritt bekommt, aber ich hätte mit entsprechender Betreuung auch mit jüngeren Besuchern verantworten können, sich alles anzuschauen. Ehrlicherweise hätte ich deutlich detailliertere Darstellungen erwartet und auch mehr Präparate statt Photos. Gerade in diesem Sektionssaal mit vielen Tischen hätte man das ganz sicher auch deutlich anschaulicher präsentieren können. So verließ ich die Ausstellung zwiegespalten: es war schon interessant, aber bei weitem nicht so umfassend und informativ, wie ich es erwartet hatte.

Wer möchte, kann sich „Vom Tatort ins Labor“ noch bis zum 20.04.2012 anschauen. Begleitend dazu gibt es auch noch ein paar Vorträge; das genaue Programm gibt’s auf der Seite des Museums.

Verbindungen zum Cirque ?

Wir haben nun drei freie Tage in Frankfurt und natürlich überlegt man sich, was man denn mit der Zeit anfangen könnte. Sehr gerne würden wir (sechs Techniker) uns den Cirque du Solei anschauen, am liebsten auch mit einer kleinen Technikführung. Am Sonntag oder Montag. Liest hier zufällig einer der Kollegen mit ?  Falls ja, dann wäre ich über eine Nachricht (Mailadresse im Impressum) sehr dankbar :-)

Kleiner Ausflug in die Rockhal

Gestern hatten wir nach unserer langen Reise von Budapest nach Luxemburg einen freien Abend. Was lag da näher, als einen kleinen Ausflug in die Rockhal zu machen, einer wirklich tollen Halle mit zwei Sälen. An dieser Stelle übrigens ganz herzlichen Dank an Arnd und Sascha für die Möglichkeit, uns frei zwischen den Sälen bewegen zu können.

Uns lockte K’s Choice, eine belgische Band, die ich durch Gastauftritte von Anouk kannte. Das Trio spielte in der akustischen Variante recht ruhige, aber sehr schön arrangierte Songs und vor allem hatten sie eine tolle, sehr stimmungsvolle und verwandelbare Deko. Das gefiel uns schonmal sehr.

Nebenan, im großen Saal spielte für uns überraschenderweise Brit Floyd, eine Pink Floyd – Coverband. Die Kopie ging so weit, daß da nicht nur mächtige Wedges statt InEar – Monitoring auf der Bühne standen, sondern das Publikum auch mit blauen Lautsprechern (Flashlight) beschallt wurde, was im direkten Übergang vom absoluten HiFi – Sound des kleinen Saals (dV-DOSC) doch deutlich gewöhnungsbedürftig war. Die Hörner keulten einen doch sehr an. Aber das ist ja auch Geschmacksache und auf der anderen Seite halt ein Teil der Kopie.

Interessanterweise fand nicht nur ich die kleine, leise Show von K’s Choise deutlich überzeugender, als die große, dick aufgetragene Show von Brit Floyd. Bei den Belgiern merkte man, daß sie mit Herzblut dabei waren, die Briten waren eben doch nur eine Coverband. Trotzdem, daß muß man nun ehrlicherweise schon zugeben, war die Floyd – Show gut gemacht.

Es war also ein sehr schöner und abwechslungsreicher Abend und wir haben uns fest vorgenommen, auch an den kommenden freien Tagen was zu unternehmen.

Hier geht der Post ab durch der Decke !

Diese Tage sind superstressig und da braucht man Abends was angenehmes zum Entspannen; zum Beispiel die neue Popolski – DVD, die ich gestern Abend Nacht sah. Kennt jemand von Euch die Popolskis nicht ?  Tatsächlich ?  Eine Schande, aber gut, ich will Euch die Geschichte zu dieser einmaligen Band erklären. Opa Popolski ist der Erfinder der Popmusik. Echt wahr !  Er und seine Familie haben viele, viele der Hits geschrieben, die wir oft anderen Künstlern zurechnen. Dabei haben diese die Songs nur dreist (und oft schlecht) gestohlen. In Zeiten des Eisernen Vorhangs war das recht gefahrlos möglich, denn ein mittelloser polnischer Musiker konnte sich ja nicht international vor Gericht wehren. Und heute ist die Familie Popolski einfach zu cool um vor Gericht zu ziehen. Statt dessen touren sie durch die Lande, spielen die Originalversionen so, wie sie mal gedacht waren — und deklassieren die dreisten Kopisten damit aufs peinlichste.

Die Konzerte sind jedes mal lange ausverkaufte Legenden (zur Zeit sind die Jungs auf Tour und ich empfehle wirklich jedem, der eine Karte ergattern kann, da un-be-dingt hinzugehen), ich kann im Herbst leider nicht hin, weil ich selbst unterwegs bin und als Trost kaufte ich also die Live DVD. Ein Spaß !  Ein Fest !  Eine Party, die durch die der Decke geht !  Um denjenigen, die bisher keine Show sahen, einen kleinen Eindruck zu geben, gibt’s hier einen kurzen Ausschnitt als Video.

Ich.darf.nicht.schlafen.

In den letzten Monaten las ich viel Weiterbildung, aber kaum Unterhaltungsliteratur. Und so kam es, daß ich gestern Nacht, als ich nach Hause kam, einfach Lust hatte ein Buch zu lesen. Und es in sechs Stunden auch zuende lies. Watsons „Ich.darf.nicht.schlafen.“ ist eine Geschichte über eine Frau, die morgens aufwacht, sich wie eine Mittzwanzigerin fühlt, sich umdreht, feststellt, daß neben ihr ein knapp 50jähriger liegt, sich ärgert, wie besoffen sie denn gewesen sein muß, daß sie sich von so einem alten Sack abschleppen ließ und im Bad sehen muß, daß sie auch schon Mitte vierzig ist. Ihr fehlen mal locker 20 Jahre.

Im Laufe der Geschichte erfahren wir dann, daß sie eben seit 20 Jahren jeden Morgen aufwacht und über Nacht alles vergessen hat, was geschehen ist; ihre Erinnerungen reichen nur von der Kindheit bis maximal in ihre Zwanziger. Alles was danach geschah ist ausgelöscht.

Bei so einer Amnesie ist es natürlich schwer abschätzen zu können, wem man vertrauen kann, wem nicht und es ist einfach, einer solchen Person Wahrheiten unterzujubeln, die keine sind. Darauf baut das Buch auf und erzählt eine schon spannende Geschichte über das Wiederentdecken von Erinnerungen.

Ich selbst würde das Buch keinen Thriller nennen; das Wort scheint mir dann doch zu groß. Aber es ist gut gemachte Unterhaltung, die sich eben flüssig durchlesen läßt, auch wenn man erst um 01:00 Uhr anfängt und das Buch um 07:00 zur Seite legt um dann doch eines zu tun: schlafen.

Siegfrieds Abschied im Park

Dieser verregnete Sommer ist nicht nur fürs Gemüt schlecht, sondern auch für die Kultur. Im Hamburger Wohlerts Park spielen nämlich die Elfen im Park bei halbwegs gutem Wetter regelmäßig Theater, dieses Jahr die Nibelungensage den Nibelungen – Clan. Dabei zeigen die Elfen, daß sie echte Profis sind und auch eine komplexe und spannende Geschichte nicht so zerfasern müssen wie Hebbel, der zwei Abende braucht, um die Geschichte zu erzählen, oder gar Wagner, bei dem man an vier Abenden sich insgesamt 16 Stunden den Hintern plattsitzt. Nein, in gut anderthalb Stunden ist die Geschichte erzählt und alle wichtigen Fakten (und noch einiges mehr) sind drin. Was will man mehr ?!?

Das Theater ist eine Weggabelung im Park und weit über eine Stunde bevor der Vorhang sich hebt die Akteure den Platz betreten kommen schon die ersten Zuschauer, um sich die besten Plätze zu sichern. Die Erfahrenen haben Decken, Klappstühle und Picknickkörbe mitgebracht und so beschränkt sich die Kultur des Abends nicht nur aufs Theater, sondern wird perfekt durch Speis‘ und Trank (bei mir verschiedene Käsewürfel, Frikadellen und Weintrauben an eisgekühltem Prosecco) ergänzt. Mithin ist der Genuß also weit stärker, als in der Staatsoper oder im Schauspielhaus beispielsweise.

Wenn Ihr nun ein Bild weiter oben die hochgewachsen‘ Gestalt Siegfrieds seht, oder hier die bezaubernde Kriemhild und unten links Brünhilden, so ist doch klar, daß diese Inszenierung derer in Worms mit nichts, aber auch gar nichts nachsteht, sie eher noch glänzend übertrumpft. Auch deshalb, weil das Theaterstück an passenden Stellen mit musikalischen Einwürfen perfekt ergänzt wird.

Die Elfen im Park verstehen es mal wieder (und angeblich dieses Jahr zum letzten Male, ich hoffe aber da noch auf Erbarmen oder Einsicht), klassisches Theater so umzusetzen, das es großen, großen Spaß macht. Ich habe mich auf jeden Fall bestens unterhalten gefühlt. Heute Abend gibt es die allerletzte Vorstellung, ich drücke den Schauspielern beide Daumen, daß es trockenes Wetter gibt und empfehle allen rund um Hamburg, sich das Stück unbedingt anzuschauen.

Der Eintritt ist übrigens frei; nach der Vorstellung geht ein Hut rum, in den man steckt, was einem der Abend wert war.