Gewandhaus zu Leipzig

Es gibt Häuser, die sind ein Übel, um das man nicht herum kommt. Dazu gehört das Gewandhaus in Leipzig. Es gibt in der Größe keine vernünftige bestuhlte Alternative weit und breit, darum muß man dahin. Obwohl es jedes Mal weh tut. Die Pförtner schon entscheiden hier mit einem Imperativ, der in anderen Häusern nicht einmal vom Intendanten gebraucht wird. Es ist nicht nur so, daß die Akustik ausschließlich auf Klassik ausgerichtet ist, sondern auch sämtliches Gebaren im Haus. „Moderne“ Veranstaltungen werden hier geduldet (obwohl man natürlich die wirtschaftlichen Einnahmen gerne mitnimmt), aber man versucht, es ihnen möglichst schwer zu machen. Kompromisse ? Fehlanzeige. Das Fahrrad des vorletzten Bratschisten ist wichtiger als ein zügiger Aufbau der Produktion, die sowieso erst drei Stunden später anfangen darf als normal, weil im Zweifelsfall vorher noch Proben oder (wie heute) eine Matiné ist.

Gewandhaus Leipzig

Das Ergebnis ist ein wirklich hektischer Aufbau, bei dem dann natürlich auch Fehler passieren. Erschwerend kommt hinzu, daß der Ton zusätzliche Arbeit hat, weil hier heute 270° rund um die Bühne verkauft und somit zusätzliche Beschallung notwendig ist. Aufgrund des äußerst knappen Zeitrahmens kann diese seitliche Beschallung erst sehr spät eingehört werden; das Ergebnis ist leider nur suboptimal. Dabei könnte man ohne Aufwand eine für beide Seiten angenehme Arbeitsatmosphäre schaffen, wenn man überhaupt mal in Erwägung ziehen würde, auf die Fremdproduktionen zuzugehen, wie es in anderen klassischen Häusern ja auch der Fall ist.

Gewandhaus Leipzig

Aufbau, Soundcheck, Einlaß. Keine Pausen zwischendurch, aber irgendwie haben wir den Aufbau doch noch halbwegs pünktlich (Einlaß war 10 Minuten später) hinbekommen. Für die Kollegen, die dann auch noch die Show fahren müssen ein echt harter Brocken. Danke an dieser Stelle Euch allen, Jungs !

In der Pause

Die Show dann zwar für die Künstler mit etwas ungewohnter Akustik, von der Zuschauerreaktion her aber gut und daher ein wenig Belohnung für den Aufbau.

Der Abbau… war auch zu überleben. Bemerkenswert ist schon, wenn ein Rigger so cool sein muß und freihändig ohne Sicherung über die hochhängenden Traversen läuft. Wenn er da runterknallt und sich das Genick bricht, dann wär’s mir (mal abgesehen vom Schreibkram der dadurch entsteht) fast egal. Ärgerlich ist nur, daß da meine Leute drunter arbeiten und er denen im Zweifelsfall auf den Kopf fällt. Also uncool.

Nebenher finde ich witzig, daß Teenies es manchmal nicht ganz so genau nehmen. Oder es nicht besser wissen. Heute spielte auch Pink in Leipzig (allerdings natürlich nicht im Gewandhaus, sondern in der Arena). Was die Kinder nicht daran hinderte uns zu fragen, ob denn unser Nightliner nicht der Bus Pinks sei.

11 Gedanken zu „Gewandhaus zu Leipzig“

  1. Da fallen mir zwei Wörter zu ein :

    F*** Venue

    Ausserdem gibt es doch Verträge, wo alles genau geregelt ist.
    Oder einfach die Location meiden, wenn die Leute vom Haus sich nicht endlich kooperativ verhalten. Anderswo funktioniert das doch auch.
    Wir sind die Produktion!

    1. Das glaubst Du doch so wie Du’s schreibst im Leben nicht, oder ? Wie schon geschrieben gibt es zum Gewandhaus in Leipzig keine Alternative. Das wissen die natürlich auch. Und es ist auch keine Kohle in Sicht, um eine Alternative zu bauen. Aus des Gewandhauses Sicht: warum sollten sie sich kooperativ verhalten ? Die freien Termine sind immer ruck zuck weg. Wenn wir nicht dort spielen, macht’s jemand anders. Es ist ja sogar so, daß sie Themen ablehnen können, wenn ihnen die Musik nicht paßt, weil sie den Termin sowieso voll bekommen. Daß es dann menschlich fragwürdig und für uns ärgerlich ist, steht ja auf einem ganz anderen Blatt.

  2. Ich muß der Autorin A.L. energisch widersprechen. Das Haus hat eine ausgezeichnete Akustik, wovon wir uns anläßlich eines Konzerts mit der Wiener Kammersängerin Renate Holm, am Flügel begleitet von dem Wiener Komponisten und Pianisten Bela Fischer, überzeugen konnten.
    Allerdings halte ich es wenig sinnvoll, in diesem Haus moderne sog. “ Musik “ – Mischung aus Maschinenlärm und Buschtrommeln in einer an die Schmerzgrenze reichenden Lautstärke -, wie sie von Jugendlichen ( neudenglisch auch Kids genannt ) bevorzugt wird, zu Gehör zu bringen. Für derartigen gehörschädigenden Lärm ist die Akustik sicherlich nicht ausgelegt. Davon sollte man sich – wenn überhaupt – irgendwo im Freien „beschallen“ lassen.
    Und was die Mitarbeiter des Hauses betrifft: Hier haben wir nur freundliche und zuvorkommende Leute erlebt. Es fragt sich, wie die dem Artikel von A.L. zugrunde liegende Truppe dem Personal des Gewandhauses gegenüber aufgetreten ist.

    1. Erst mal vorweg: die Autorin des Artikels ist nicht Annett Louisan. Der Betrag erschien nur unter der Rubrik „Annett Louisan“, Autor des Artikels bin, wie bei allen Artikeln dieses Blogs, ich, Markus Sorger.

      Daß das Haus eine herausragende Akustik hat, will ich gar nicht bestreiten — aber eben ausschließlich für unverstärkte Musik. So stellte ich das auch im Artikel dar. Ob wir bei unserer Tour „Maschinenlärm und Buschtrommeln“ einsetzen sei mal dahingestellt; die meisten Kritiker ordnen Frau Louisan in den Bereich des Chansons ein und unser Publikum sind Menschen bis hoch in die Sechziger. Interessant sind Ihre Formulierungen trotzdem, lassen die doch tief in Ihre Seele blicken.

      Auch das Vorderhauspersonal — also die Menschen, die Sie als Zuhörer treffen — ist tatsächlich meist sehr nett. Nichtsdestotrotz ist das Hinterhauspersonal bei tourenden Menschen ob seiner Unfreundlichkeit legendär; völlig egal, ob man es nun ausgesucht freundlich oder sehr schroff mit ihnen versucht.

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