Rooobbbbbbiiiiiiiieeeeeeee

Gestern waren wir, mein Töchterchen und ich, bei Robbie Williams in München. Das Konzert war im Olympiastadion, das ich ja immer noch wirklich wunderschön finde und gar nicht verstehen kann, wieso man da so einen neuen Kasten bauen mußte. Neben dem Panoramabild unten gibt es noch eins, zwei, drei andere. Keine Angst, natürlich war es bei dem Konzert nicht so leer; die Bilder sind kurz nach Einlaßbeginn entstanden.

Das Münchener Olympiastadion bei Robbie Williams

Es hat den ganzen Tag über geregnet und darum hatten die beiden Vorbands es echt schwer, überhaupt Leute ins Stadion zu ziehen. Fast alle, wie auch wir, haben sich im überdachten Teil unter den Tribünen aufgehalten, wo es eine Menge Stände mit den unterschiedlichsten Speisen und Getränken gab. So eine halbe Stunde vor Robbies Show sind wir dann mal in den Regen getapert. Dank meines lieben Kollegen Peter Häberle hatten wir nicht nur Karten, sondern auch Zutritt zur “ersten Welle”, also dem Bereich direkt vor der Bühne. An dieser Stelle noch mal ganz herzlichen Dank dafür !

Werbung während der Einlaßphase auf den hauseigenen Anzeigetafeln

Während des Einlasses gab es sehr zielgruppengerechte Werbung für zukünftige Konzerte im Olympiapark, wie Ihr hier sehen könnt. Die Kastelruther Spatzen, Die Flippers und Das Frühlingsfest der Volksmusik waren auch im Angebot.

Vielleicht kennen einige von Euch noch den Film “Die unheimliche Begegnung der dritten Art”, in dem die Außerirdischen immer eine bestimmte Melodie spielten. Genau mit dieser immer lauter werdenden Melodie startete auch die Show in einer dunklen, spannungsgeladenen Atmosphäre, bei der Herr Williams unter Einsatz von viel Nebel hydraulisch aus der Mitte der kleinen Bühne mitten im Publikum herausgeschossen kam. Cooler Anfang.

Robbie Williams im Münchener Olympiastadion

Weiter geht’s mit vielen Bildern nach dem “Weiterlesen” – Link.

Während ich am Tag zuvor keine Show, sondern eine wirklich tolle Session gesehen hatte, bekamen wir hier ganz sicher das genaue Gegenteil einer Session zu sehen: eine perfekt durchgestylte Show mit allem derzeit möglichen technischen Aufwand, in der es aber nur sehr begrenzt Platz für Spontanität gab. Nur in den Moderationen war es möglich, die ansonsten mit Licht, Video und Musik genau durchgetimete Show spontan zu verändern. Und nur in diesen Momenten, dies möchte ich schon mal vorwegnehmen, hatte ich den Eindruck, daß Robbie überhaupt “da” war.

Robbie Willieams im Münchener Olympiastadion

Diese Momente nutzte er aber auch. Indem er fröhlich steppend “I’m singing in the rain” anstimmte. Indem er die Fahrgäste des Riesenrads des auf dem nebenan stattfinden Olympiaparksommerfests immitierte, ihnen zurief: “Come down here, get a ticket and see the show in a propper way.” und das komplette Stadion aufforderte, den Riesenradfahrgästen mit ausgestrecktem Mittelfinger ein freundliches “Fuck you !” zuzurufen. Indem er auf der regennassen Bühne rumschlitterte und mit Wasser spritzte.

Robbie Williams im Münchener Olympiastadion

Für mich erstaunlich war, wie leise das Konzert ablief. Sowohl bei den Fans, als auch aus der PA. Ich hatte mit TakeThat/BackstreetBoys/TokioHotel – mäßigem Gekreische gerechnet und mit einer fett ausgefahrenen Anlage. Deshalb hatte ich mir extra Ohrenschützer mitgenommen und erst noch überlegt, ob ich die 15 oder 25 dB Dämpfungsfilter einsetze (15dB sind’s geworden). Die Teile habe ich mir nach einem halben Song wieder rausgenommen, weil sie wirklich nicht nötig waren. Erstaunlich.

Robbie Williams im Münchener Olympiapark

Wie oben schon geschrieben war Robbie Williams meiner Meinung nach nur in wenigen Momenten zwischen den Stücken der Mann, den wir zu kennen glauben. Die Show selbst war natürlich voller großer Gesten, machten aber für mich den Eindruck von Schauspiel und nicht von echter Leidenschaft. Da ich von ihm schon deutlich andere Shows gesehen habe, war ich da schon ein bißchen enttäuscht. Auf der anderen Seite ist es natürlich mörderisch, von einem Entertainer immer noch mehr zu erwarten, wenn für ihn große Shows immer selbstverständlicher werden. Für mich hatte es den Eindruck, daß Robbie erwachsen geworden ist und die Unschuld des auf der Bühne herumalbernden “Jugendlichen” endgültig verloren hat. Daß er ein echter Profi ist, war ihm beim Umgang mit dem wirklich ununterbrochenen Dauerregen anzumerken. Er machte sich einen Witz daraus, auch wenn es für ihn sicher alles andere als angenehm war, mit normalen Klamotten in einem Meer von Regenjacken zu stehen. Respekt !

Robbie Williams im Münchener Olympiastadion

Die Besetzung der Band: Schlagzeug, Baß, 3x Gitarren, Keyboards/Gitarre, 6x Backingvocals und ganz sicher ein gut programmierter Sequencer. Auch die Gitarren/Baß – Abteilung stand mit ihren Instrumenten im Freien (um die Instrumente tat’s mir echt leid), nur Schlagzeug & Keys, sowie die Gitarrenamps waren unter dem StageCo – typischen kleinen Glasdach untergebracht.

Robbie Williams im Münchener Olympiastadion

Witzig ist eigentlich, daß jeder große Künstler irgendwann mal das Experiment mit einer komplett offenen Bühne macht und daß die meisten es bei diesem einen Experiment belassen, weil sie die Erfahrungen mit dem mitteleuropäischen Sommer unterschätzt haben.

Robbie Williams im Münchener Olympiastadion

Mit im Programm war auch ein erst ironisches Take That – Special, das in “Back for good” endete. Bei dieser Nummer war eine weitere Veränderung Robbies zu merken: sein Stil zu singen ist mittlerweile ein ganz anderer, als noch zu Take That – Zeiten. Hier und auch bei “Angel” stieß er gesangstechnisch deutlich an seine Grenzen.

Robbie Williams im Münchener Olympiastadion

Beim neuen Song “Rude Box” habe ich tatsächlich länger darüber nachgedacht, wie viel Geld eigentlich geflossen sein muß, um das Wort A.D.I.D.A.S in Verbindung mit OldSchool in das Stück einzubauen und die komplette Band incl. Sänger in Klamotten dieses Herstellers zu stecken. Unglaublich. Daß während der Einlaßmusik immer wieder Clerasil und Haarpflege – Werbung lief ist ja noch das eine. Das jedoch finde ich schon hart.

Robbie Williams im Münchener Olympiastadion

Während der Show gab es zwischendurch wahrscheinlich wetterbedingt leichte Lichtausfälle, die aber sofort behoben wurden. Großen Respekt an die Kollegen. Auf eine Auflistung der Technik verzichte ich aber hier, weil es deutlich den Rahmen des Artikels sprengen würde und verweise auf PMA, Production Partner und ähnliche Fachpublikationen, die die Tour sicher aufbereiten werden. Vieles kann man auf den Bildern ja auch schon sehen.

Robbie Williams im Münchener Olympiastadion

Erst zum Beginn des Zugabenblocks gab es den ehemaligen Opener “Let me entertain you”, zu dem Robbie oben aus dem linken “Finger” eingeflogen kam, nachdem er auf der Publikumsbühne wieder im Boden verschwunden war. Damit waren mit Licht, Ton, Video, Pyro und verfahrbarer Bühnentechnik alle Showgewerke vertreten.

Robbie Williams im Münchener Olympiastadion

Beim Fazit zu dieser Show bin ich echt zwiegespalten. Auf der einen Seite war es echt perfektes Entertainment. Vegas läßt grüßen. Auf der anderen Seite war es echt perfektes Entertainment. Vegas läßt grüßen. Speziell nach dem unglaublichen Konzert am Vortag neige ich zur Zeit dazu, Session der Show vorzuziehen. Das darf ich als Veranstaltungstechniker so natürlich nicht sagen, denn Show schafft mehr Arbeit. Sehenswert war Robbie Williams allemal. So viel steht fest. Ob als Show oder als Leistungsschau der Veranstaltungsbranche ist ja erst mal egal ;-)

Robbie Williams im Münchener Olympiastadion

Ganz zum Schluß noch etwas, was wirklich scheiße war: der Abtransport der Besucher durch den öffentlichen Nahverkehr. Der MVV hatte jetzt über 30 Jahre Zeit, eine effektive Methode zu finden, die Besucher nach einer Veranstaltung knackig nach Hause zu fahren. In anderen Städten klappt das doch auch. Wir haben über eine Stunde in der Warteschlange zur U-Bahn gestanden und hinter uns kamen sicher noch mal so viele Menschen. Das geht gar nicht und ist durch nichts zu entschuldigen.

8 Kommentare zu “Rooobbbbbbiiiiiiiieeeeeeee”

  1. Jana schreibt:

    oh man Du Armer, hoffentlich bekommste keinen Schnupfen oder Tinitus vom Gekreische ;)

  2. Michael schreibt:

    . . . ich hoffe es folgen noch ein paar technische Details :)
    Die Musik war aus Deiner Sicht doch eher zweitrangig? Wegen der Digitalkamera gab es keine Beschwerden am Einlass? Ich frage, weil ich habe dieses Jahr noch ein Madonna-Konzert (auch nur wegen meiner Tochter ;) ) und das trägt den Untertitel “NO CAMERAS/RECORDERS”. Wie streng wird sowas gehandhabt ?

    Noch eine Frage: Welche Ohrstöpsel kannst Du empfehlen?

  3. Markus Sorger schreibt:

    Technische “Details” würden den Artikel sicher sprengen. Vielleicht reicht als Angabe, daß der im Stadion vorhandene Strom nicht ausreichte und drei TwinPacks von ShowPower hinter der Bühne standen.

    Ich bin tatsächlich wegen der Show dorthin und nicht wegen der Technik. Ich halte/hielt Robbie Williams für den derzeit besten Entertainer alive. Technik kann man doch immer & überall sehen, oder ?

    Das Mitnehmen von einfachen Sucherkameras, egal ob analog oder digital ist nach deutschem Recht eigentlich nicht zu verbieten, auch wenn das gerade amerikanische Managements immer wieder versuchen. Spiegelreflexkameras sind sicher nicht mit hineinzubekommen, aber was ist schon der Unterschied einer Knipse zu einem modernen Handy ?

    Ich selbst trage individuell angepaßte Stöpsel von Hearsafe. Sie sitzen auch nach Stunden bequem und haben einen glatten Frequenzgang, sind aber für den Normalverbraucher sicher zu teuer.

  4. Michael schreibt:

    . . . also suche ich mir doch mal die “Produktion Partner”. Hab ja schon öfter beim lesen dieses Blogs gedacht, dass Du dort auch schreiben könntest.
    Technik an sich sind ja tote Gegenstände ( jaja gibt ja Ausnahmen: alte Röhrenverstärker mit Seele z.B. :) , es kommt ja drauf an, was man daus macht. Ich hatte es es auch so gemeint: Eher die SHOW als die Musik war im Fokus.
    Die angepassten Hearsafe-Teile sind wohl eher etwas, wenn man es täglich braucht. ER-20 könnte man sich ja mal leisten, bevor es weh tut.

  5. Michael schreibt:

    . . . nein aber toller Bilderbericht !!!!, (das musste ich noch loswerden)

  6. Ein Lebenszeichen - SEO Blog schreibt:

    [...] Ich habe mir nur eine kleine Auszeit genommen um ein paar schöne Tage mit meiner Frau in München zu verleben und dort unter anderem ein extrem geiles aber auch genau so nasses Robbie Williams Konzert besucht. Ansonsten war es wie immer sehr erholend – außer die Heimreise vielleicht, wer lässt eigentlich immer die ganzen Wohnwagen auf die Autobahn? Gut das ich da noch nicht wusste das Rechts überholen so günstig ist und sich fast schon wieder lohnt. [...]

  7. Katrin schreibt:

    Auch in Köln gestern abend hat es Stunden gedauert, wieder wegzukommen, obwohl VORHER bekannt war, dass 80 000 Leute kommen werden…
    Das ist leider immer wieder ärgerlich, und trübt ein wenig das geniale Konzert-Erlebnis!

    Danke für die tollen Fotos, in Köln sah es ja genauso aus :), wir hatten gestern abend Glück, es war zwar kühl, aber der Regen blieb aus.
    Die Show war sehr gut, alle Lieder wurden mit großartigen Fan-Chören begleitet.
    Das neue Lied finde ich mega gut, der Adidas-Werbe-Block ist allerdings in der Tat befremdlich.
    Nervig auch, dass während des Konzertes permanent Becks und Langnese durch die Massen gedrängelt sind….
    Ist das heutzutage einfach normal????

    Alles in allem war es aber geil, und Robbie sehr gut drauf, ebenso die anderen Künstler. Schade, dass er um 5 vor elf schon fertig war und alles Rufen und Brüllen nichts brachte.Wir haben ihn echt noch lange gefeiert, aber es gab keine weitere Zugabe….

  8. Markus Sorger schreibt:

    Hej Karin,

    von einem Kollegen, der sowohl in München als auch in Köln dabei war hörte ich, daß die Stimmung in Köln gestern wohl deutlich besser gewesen sein soll als in München — was mich nach dem Dauerregen bei uns jetzt nicht so richtig wundert.

    Daß Beck’s & Langnese als Sponsoringpartner der Tour auch versuchen, ihr Zeug unter die Leute zu bekommen ist so, ja. Konzerte sind halt kein staatssubventionierter Kulturbetrieb, sondern kommerzielles Geschäft. Da versucht jeder, ein paar Euro zu verdienen.

    Was die Zugaben angeht: ich weiß, daß er in München nicht länger als 23:00 Uhr spielen durfte; Behördenauflage. Vielleicht gab es sowas in Köln ja auch.